Ein hoher Prozentsatz an Informationen über weltpolitisch wichtige Ereignisse (in unserem besonderen Fall, die Situation in der Ukraine) korrespondiert leider nicht immer mit den Fakten der Wirklichkeit. Die Grundursache für diesen Umstand geht hierbei meist auf die Informationspolitik von einzelnen Regierungen zurück, die hierbei gefälschte oder zumindest manipulierte Informationen für Propaganda-Zwecke einsetzen. In diesem Propaganda-Fall werden Nachrichten nicht genutzt um die Öffentlichkeit faktengetreu zu informieren, sondern die Geschichten werden dafür genutzt, bestimmte Stimmungen und Meinungen zu erzeugen. Die Stimmungsmache ist dabei meist für die eine oder andere Konfliktpartie vorteilhaft. Der vorliegende Artikel wird daher versuchen die wichtigsten Methoden zur Identifizierung von Lügen bzw. Fakes in Massenmedien (Dt. Fälschungen) zusammenzufassen. Er soll sie Schritt für Schritt dafür sensibilisieren, mit Medien verantwortlich und kritisch umzugehen.

Einleitend lassen wir uns festzuhalten, dass wir versuchen werden nur mit geprüften Fakten zu arbeiten und nicht ungeprüfte Aussagen von einer Seite in Betracht zu ziehen. Nehmen wir zum Beispiel den Fall, dass das russische Außenministerium einen Bericht zu einem Vorfall in der Ukraine veröffentlicht, während hingegen das ukrainische Außenministerium den Bericht in seinen Aussagen komplett bestreitet. Dann finden wir uns schnell in einem klassischen Szenario wieder, in dem „Aussage gegen Aussage“ steht. Beide Seiten veröffentlichen die Meldungen, die für die jeweilige Seite am vorteilhaftesten erscheinen. Auch aus diesem Umstand enthält unsere Website nur sehr wenige Widerrufe von mündlichen Aussagen. Solche Widerrufe werden nur dann veröffentlicht, wenn Sie Informationen aussprechen die für die eigene Position von Vorteil sind. Aus diesem Grund versuchen wir nur und allein über die Tatsachen zu sprechen.



Foto-Fälschungen

Dies ist vielleicht der populärste Fälschungstyp, der aber auch sehr schnell zu entlarven ist. Mit der Hilfe des Internets ist es verhältnismäßig einfach die Echtheit eines Bildes innerhalb von Sekunden zu überprüfen. Leider hat sich in der Vergangenheit gezeigt, dass viele Medien-Konsumenten unfähig sind, diese Methoden selber zu nutzen, da sie schnell und unhinterfragt jedem „reißerischen Foto“ Glauben schenken.
Es gibt eine Reihe an Wegen um ein gefälschtes Foto zu identifizieren. Wenn Sie Google Chrome verwenden, können sie mit einem Rechts-Klick auf ein Bild die Funktion auswählen per Google das Bild im Internet zu suchen.

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Wenn sie einen anderen Browser verwenden, der keine voreingestellte Suchfunktion hat, können sie ein Plug-In dafür installieren. Es gibt davon einige: Zum Beispiel diese sehr nützliche “Who stole my pictures”. Der Vorteil dieses Plug-In ist, das es nicht nur auf Google sucht, sondern auch bei der russischen Suchmaschine Yandex, sowie bei Tineye, oder bei allen drei Suchmaschinen gleichzeitig.

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Wenn sie weder Chrome installiert haben und auch keine Möglichkeit haben in ihrem Browser ein Plug-In zu installieren, können sie Bilder trotzdem überprüfen. Sie müssen dafür lediglich zwei Tabs in ihrem Browser öffnen. Ein Tab enthält das fragliche Bild, welches sie überprüfen wollen, der zweite Tab enthält die Google-Bildersuche. Gehen Sie zu dem ersten Tab mit dem zu überprüfenden Bild und „greifen“ sie mit ihrer Maus das Bild, danach ziehen es in den zweiten Tab herüber und lassen es dort in der Google-Bildersuche fallen.

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Auf diese Weise können sie auch nach Bilder von ihrer Festplatte im Internet suchen: Nehmen sie einfach das zu suchende Bild und ziehen es per „drag-and-drop“ in die Suchleiste der Google-Bildersuche.
Als Ergebnis dieser Bildersuche können sie zwei wichtige Informationen über das Bild erhalten. Erstens wissen sie, ob das Bild echt ist oder ob das Bild bearbeitet wurde. In einem Beispielfall ist es eindeutig, dass das fragliche Bild verändert und nachträglich Flammen in das Bild eingebaut wurden. Damit sollte sicher der Eindruck erzeugt werden, dass es einen Bombenangriff auf Donezk gegeben hätte.

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Einer einfachen Stadtansicht wurde nachträglich bearbeitet und unrealistische intensive Feuer eingefügt.
Zweitens erhalten sie bei der Suche Informationen über das Alter des Bildes und ob das Bild dem richtigen Kontext zugeordnet wurde. Zum Beispiel können sie feststellen, wenn jemand Ereignisse aus Syrien als Bilder aus der Ukraine darstellen will.



Video-Fake

Wenn sie es mit einem Video-Fake zu tun haben, ist die Überprüfung schon weitaus schwieriger als bei einem Foto-Fake, insbesondere wenn sie das relative einfache Überprüfungsverfahren bei Bilder in Betracht ziehen. Wenn sie den Verdacht haben, dass die Echtheit eines Videos fragwürdig ist können sie eine der folgenden Methoden nutzen.

Zu allererst: Falls Sie ein eingebettetes YouTube-Video auf einer Homepage betrachten, klicken sie auf das Video und betrachten sie das Video direkt auf YouTube. Dies tun sie indem sie auf das kleine YouTube-Logo in der rechten Seite des Videos klicken.

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Screenshot of Komsomolskaya Pravda website
Diese Methode ist für folgendes Beispiel bereits ausreichend: Auf der russischen Homepage der Zeitung Komsomolskaya Pravda (Dt.: Komsomol Jugend ) wurde ein Video veröffentlicht, dass angeblich den ehemaligen ukrainischen Ministerpräsidenten Jazenjuk und seinen Kollegen Turtschynow dabei zeigt, wie sie während des Tag des Sieges 2014 in Kiew ausgebuht werden. Dieses Video ist aber in seinen Angaben gefälscht. Das Video wurde bereits 2013, also ein Jahr früher bei YouTube eingestellt. Damals waren Jazenjuk und Turtschynow noch aber noch in der Opposition und nicht an der Regierung beteiligt. Sie wurden 2013 zwar von Mitgliedern der ukrainischen kommunistischen Partei ablehnend begrüßt, die Beschreibung und die Einbettung des Videos sind aber gefälscht.

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Veröffentlicht am 9. Mai 2013

Natürlich sind solche grundlegenden Fehler selten. Wenn es keine offensichtlichen Anzeichen gibt, dass ein Video gefälscht ist, empfehlen wir die Aufmerksamkeit auf die folgenden Faktoren zu lenken. Falls ein Video an einem bestimmten Tag mehrfach mit demselben Titel bei YouTube veröffentlicht wurde, und dieses Video wurde bei verschiedenen Kanälen während kurzer Zeit wiederholt hochgeladen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass es sich um eine Fälschung handelt.
Wählen sie das Video mit der höchsten Anzahl an Aufrufen und lesen sie die Kommentare der Nutzer unter dem Video. Dabei gibt es eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass einige das Original gesehen haben und möglicherweise auch einen Link dazu gepostet haben.


Darüber hinaus, lenken sie ihre Aufmerksamkeit auf Details im Video. Auf Namen der gezeigten Objekte, auf Autokennzeichen, auf Straßenbeschilderungen, auf markante Zeichen im Video, auf das Wetter. Solche Merkmale helfen dabei zu bestimmen, wo ein Video wirklich aufgenommen wurde. Zum Beispiel nutzen wir diese Methode um herauszufinden dass die Yacht “Video Azimut 46” (welche laut dem russischen Nachrichtenkanal „NTV“ angeblich ein Geschenk eines Geschäftsmannes an eine Gruppe von Militärs in Odessa gewesen sein sollte) in Wirklichkeit ein angemietetes Boot war. Die Yacht wurde von dem russischen Nachrichtenkanal angemietet um eine gefälschte negative Story über die ukrainische Küstenwache zu erzählen.

Eine weitere Methode: Beschreiben sie wortwörtlich, was sie im Video sehen und suchen sie für die Beschreibung auf YouTube oder auf Google. Zum Beispiel gab es ein sich selbst stark im Internet verbreitenden Video-Ausschnitt mit dem Titel „Nachricht an die Kiewer Junta von einer Mutter eines gefallenen Soldaten 14.05.2014“, (Übersetzung aus dem Russischen). Wenn sie aber nach der sinnbildlichen Phrase: „Nachricht von einer Mutter eines gefallenen Soldaten“ suchen, finden sie leicht die längere Original-Version des Videos. Daraus wird deutlich, dass die Mutter ihre Worte an Vladimir Putin richtete, sie forderte dass Putin seine militärischen Aktionen in der Ukraine stoppt.

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Eine weitere Methode: Machen sie einen Screenshot eines wichtigen Teil des Videos und suchen sie den Screenshot per Google-Bildersuche, mit der gleichen Methode die oben beschrieben wurde. Es gibt eine Möglichkeit dass eine andere Person das Video in einem anderen Kontext genutzt hat und ein ähnliches Bild irgendwo im Internet platziert hat. Das ist eine Möglichkeit die Originalquelle zu finden.



Zeugenaussagen

Oft ist es schwer bis zu unmöglich die Wahrhaftigkeit eines Zeugen zu überprüfen, aber es gibt einige Ausnahmen.

Achten sie genau darauf, was der Zeuge beschreibt: Äußert er Bestätigungen der Behauptungen der Journalisten oder spricht er etwas Generelles zu einem allgemeinem Themen (welches die Massenmedien für ihr eigenes Interesse nutzen könnten.) Zum Beispiel: In der oben erwähnten Geschichte mit der Jacht, berichten die Nachrichtenmacher von NTV von einem anderen Geschäftsmann (ein Fluglehrer aus Donezk), der ein Flugzeug für ukrainische Militärs gespendet haben soll. Wie sich aber später herausstellte, beantwortete der Geschäftsmann tatsächlich im Interview Fragen zu Flugzeugen und zum Fallschirmspringen und hatte zu keiner Zeit irgendetwas gespendet. Später sollte er sogar eine eigene Gegendarstellung per Video zur Sache veröffentlichen.

Ein weiteres Beispiel ist eine Story des Nachrichtenkanals „Russia Today“. In dieser Story wird behauptet, dass Juden massenhaft Kiew verlassen würden, da der Antisemitismus unter der neuen ukrainischen Regierung massiv grassieren würde.
Die Journalisten von „Russia Today“ veröffentlichen dabei sogar den Rabbi Mihail Kapustin beim Packen und berichten, dass es aufgrund der bestehenden Gefahr in Kiew dazu gezwungen ist, zu packen. Wenn sie aber genau den Worten des Rabbi zuhören, werden sie feststellen, dass er nicht eindeutig sagt vor welcher Seite er momentan konkret Angst hat. Er gibt keine genauen Angaben darüber im Beitrag ab. Wenn wir tiefer graben, werden wir feststellen, dass der Rabbi in keiner Kiewer Synagoge sondern in einer Synagoge auf der Krim, in Simferopol tätig ist. Davor hatte er öffentlich um die Verteidigung der Ukraine und der Krim vor Russland geworben. Er flieht jetzt also tatsächlich die von Russland besetzte Krim, aufgrund seiner Angst vor der russischen Regierung.

Darüber hinaus, achten sie auf die tatsächlichen Zeugen. Haben sie diese Person eventuell schon mal an anderer Stelle gesehen? Zum Beispiel diese Frau hier, die berühmte reisende Schauspielerin Maria Tsipko. Diese gibt regelmäßige Zeugenaussagen für Massenmedien, sie firmiert als Bewohnerin von Odessa, aus dem Osten der Ukraine, aus Kharkiv, regelmäßig mit wechselnden Namen und wechselnden Orten. Wir finden sie an jeden Konflikt-Hot-Spot.


Westliche Massenmedien

Dieser Vorgang wird oft genutzt um die Glaubwürdigkeit oder Authentizität einer bestimmten Message zu verstärken. Innerhalb der Medienlandschaft gibt es eine große Anzahl an erfundenen Behauptungen, die erstmals auf randständigen Websites veröffentlicht werden, die später wiederum weiterverwendet werden.
Ein Beispiel: Das russische Magazin Vzglyad (Dt.: Blick), beschreibt sich selbst als ein „Wirtschaftszeitung”. Es schrieb in einem Artikel, dass die USA es abgelehnt hätten die Körper von 13 getöteten CIA-Agenten zurückzunehmen. Die Agenten wären in der Ukraine bei einem Einsatz getötet worden. Mit dieser Aussagen zitiert das russische Blatt eine westliche Homepage mit dem schillernden Namen „The European Union Times“. Wenn wir die Homepage der Seite besichtigen, werden wir feststellen, dass wir direkt zu einer weiteren Homepage weitergeleitet werden: WhatDoesItMean.com, eine sehr unbedeutende Quelle. Die Quelle veröffentlicht regelmäßig Artikel mit gefälschten Charakteren mit dem Namen Sorcha Faal.

Suchen wir nun mehr Informationen über diesen Autoren, stellen wir fest, dass er die Lesen regelmäßig über den „Bürgerkrieg“ in der USA, die Flucht von amerikanischen Unternehmen nach Russland (aus Angst vor Obama) usw. berichtet. Des Weiteren, können wir festhalten, dass „The European Union Times“ mit WhatDoesItMean.com angeschlossen ist und darin sogar der „verrückte Propaganda der Idiotie“ bezichtigt wird.

Eine weitere sehr gebräuchliche Taktik ist das Verdrehen von tatsächlichen Nachrichten aus etablierten seriösen Massenmedien. Eine Reihe von Webseiten berichtete, dass 27 Crew-Mitglieder des amerikanischen Marine-Zerstörers Donald Cook Angst bekommen hätten und ihre Entlassung abgeben hätten (zuvor hatte ein russischer Kampfjet vom Typ SU-24, 12 mal einen Überflug über den Zerstörer durchgeführt, während das amerikanische Schiff durch das Schwarze Meer kreuzte). Ein Pentagon-Vertreter wurde für die Meldung zitiert: Oberst Steven Warren, der angeblich Reuters ein Interview zum Vorgang gegeben hätte. In Wahrheit hatte Warren zwar mit Reuters gesprochen, aber in seiner Aussage waren keine Angaben über verängstigte Soldaten oder Entlassungen. Dies kann durch einen Besuch der Homepage des Pentagon bestätigt werden.

Deshalb unser Hinweis: Versuchen Sie immer die Ursprungsquelle der Nachricht zu finden oder zumindest den Hintergrund der Nachricht zu eruieren.
Alle Hinweise sind wichtig und nützlich, die wichtigste Bedingung um eine Fälschung zu erkennen ist aber kritischen Denken und Hinterfragen der Information, die dem Nutzer präsentiert werden. Der Informationskrieg ist ein sehr wichtiges Element in der Konfrontation zwischen den Ländern. Darum unsere Bitte, akzeptieren und nutzen sie Nachrichten nicht aus reinem Glauben an die Richtigkeit der Nachricht, sondern erst dann wenn sie vollständig über die Wahrhaftigkeit der Quelle überzeugt sind.


Von Oleg Shankovskiy für Stopfake.org.