Das Bild wurde mithilfe künstlicher Intelligenz generiert. Dies wird durch die Überprüfung von StopFake unter Verwendung der SynthID-Technologie sowie durch eine visuelle Analyse des Bildes selbst bestätigt. 

In den sozialen Netzwerken wird ein Foto verbreitet, auf dem ein Kind in einem Kinderfriseurstuhl sitzt, der wie ein Militärfahrzeug gestaltet ist. An der Seite des Stuhls sind die Aufschrift „3 ОШБр“ und ein Emblem zu sehen, das die Verfasser der Beiträge als „Wolfsangel“ bezeichnen. In der Bildunterschrift wird behauptet, das Foto sei angeblich in einem Friseursalon in Lemberg aufgenommen worden, und der Stuhl selbst sei ein Beweis dafür, dass in der Ukraine „Kinder von Kindesbeinen an auf den Krieg vorbereitet werden“ und dass es „Nazismus in der Ukraine“ angeblich tatsächlich gebe.

Screenshot – threads.com

Dieses Foto ist jedoch eine Fälschung. StopFake hat das Bild mithilfe der SynthID-Technologie überprüft – dabei handelt es sich um unsichtbare Wasserzeichen, mit denen sich Inhalte erkennen lassen, die mit generativen Tools erstellt wurden. Die Überprüfung auf der OpenAI-Plattform ergab, dass im Bild ein von OpenAI erstelltes SynthID-Wasserzeichen gefunden wurde. Das bedeutet, dass das Foto mit Hilfe von OpenAI-Tools generiert wurde – beispielsweise mit ChatGPT, der OpenAI-API oder Codex. Mit anderen Worten: Das verbreitete Bild ist kein echtes Foto aus einem realen Friseursalon.

Screenshot – openai.com

Auch visuelle Unstimmigkeiten deuten auf die künstliche Herkunft des Bildes hin. Bei genauer Betrachtung fällt auf, dass ein Teil des Metallpedals unter dem Stuhl fehlt oder unnatürlich abbricht. Ein weiteres merkwürdiges Detail: Der Stecker des Fernsehers an der Wand befindet sich tiefer als die Steckdose, an die er angeblich angeschlossen ist. Solche Fehler sind typisch für Bilder, die von neuronalen Netzen erzeugt wurden: Sie können das Gesamtbild eines Raums und der darin befindlichen Gegenstände zwar überzeugend nachahmen, weisen jedoch häufig unlogische Details in der Konstruktion von Objekten, Kabeln, Verbindungen und räumlichen Beziehungen auf.

Bild – StopFake

Die Analyse ergab zudem, dass das Foto am 19. Juni erstmals im russischen Teil des Netzes auftauchte. Im ukrainischsprachigen Teil des Netzes konnten jedoch weder die ursprüngliche Veröffentlichung noch Belege dafür gefunden werden, dass ein solcher Stuhl tatsächlich in einem ukrainischen Friseursalon existiert. Das heißt, das Bild stammt nicht aus einem ukrainischen Kontext, sondern wurde ursprünglich in einem Umfeld verbreitet, in dem regelmäßig antiukrainische Propagandameldungen verbreitet werden.

Im Internet findet man tatsächlich Fotos von Friseurstühlen für Kinder in Form von Autos – dies ist ein weit verbreitetes Einrichtungselement in Salons, die Kinder betreuen. StopFake hat jedoch keine bestätigten Bilder von Stühlen gefunden, die als Militärfahrzeuge gestaltet sind und die Symbole ukrainischer Brigaden oder anderer ukrainischer Einrichtungen tragen. Diese Tatsache allein wäre kein Beweis für eine Fälschung, doch in Verbindung mit den Ergebnissen der SynthID-Überprüfung, den visuellen Mängeln und der Art der Verbreitung bestätigt sie, dass es sich hier um eine künstlich erzeugte Propaganda-Fälschung handelt.

Die russische Propaganda nutzt das Thema Kinder systematisch, um die Ukraine zu dämonisieren: Man versucht, die ukrainische Gesellschaft als „nazistisch“, „aggressiv“ und angeblich darauf ausgerichtet darzustellen, Kinder auf den Krieg vorzubereiten. Solche Meldungen fügen sich in das umfassendere Kreml-Narrativ der „Entnazifizierung“ ein, mit dem Russland seit Beginn der großangelegten Invasion versucht, seine Aggression gegen die Ukraine zu rechtfertigen.

Dabei wurden konkrete Fälle der Militarisierung von Kindern und Jugendlichen wiederholt gerade in Russland dokumentiert. Forscher, Menschenrechtsaktivisten und internationale Organisationen haben die Einbindung von Minderjährigen in militärisch-patriotische Bewegungen, die Teilnahme von Kindern an Propagandaveranstaltungen, die Vorführung von Waffen in Schulen, Kriegskult im Bildungsbereich sowie den Einsatz von Kindern bei öffentlichen Solidaritätsaktionen für die russische Armee. 

Zuvor hatte StopFake Falschmeldungen analysiert, wonach die ukrainische Polizei Jugendliche zur Festnahme von „Wehrdienstverweigerern“ heranziehe.