Tatsächlich gibt es in den ukrainischen Medien, in den sozialen Netzwerken oder unter Aktivisten keinerlei derartige Diskussionen. Die ursprüngliche Quelle ist der pro-russische Account „Olga Bazova“ auf X, dessen Beitrag zu einer regelrechten „Nachricht“ wurde, um die Ukraine zu diskreditieren.
Anonyme russische Telegram-Kanäle und Twitter-Konten sowie eine Reihe kremlfreundlicher Medien verbreiten die Meldung, dass man in der Ukraine den Hollywood-Schauspieler Brad Pitt in die Datenbank der Website „Mirotvorets“ aufnehmen wolle. Anlass dafür war seine Reaktion auf den Sieg der russischen Tennisspielerin Mirra Andrejewa beim „Roland Garros“-Turnier: In den im Netz verbreiteten Videoaufnahmen stand Pitt auf und applaudierte der Sportlerin nach dem Ende des Spiels gegen die polnische Tennisspielerin Maja Chwalinska. Ein Teil der ukrainischen Social-Media-Nutzer und Aktivisten wertete diese Geste angeblich als Unterstützung für Russland, woraufhin im Netz Forderungen laut wurden, die Aufnahme des Schauspielers in die Datenbank von „Mirotvorets“ zu prüfen.

Diese Nachricht ist jedoch komplett erfunden. Es gibt keinerlei Hinweise auf tatsächliche Diskussionen in ukrainischen sozialen Netzwerken oder Medien darüber, Brad Pitt in die Datenbank von „Mirotvorets“ aufzunehmen – auch die Website selbst enthält keinen einzigen Eintrag zu dem Schauspieler. Die Meldung taucht ausschließlich im russischen Teil des Internets und auf Nachrichtenportalen des Aggressorstaates auf, was ein typisches Merkmal einer Desinformationskampagne ist, die auf das russische Inlandspublikum ausgerichtet ist.
Die Quelle dieser Nachricht war ein englischsprachiger Account im Netzwerk X (Twitter) mit dem Namen „Olga Bazova“. Das Konto weist eine ausgeprägte pro-russische Ausrichtung auf und ist in der Liste der Kanäle zur Verbreitung feindlicher Propaganda aufgeführt, die vom Zentrum zur Bekämpfung von Desinformation und der Cyberabteilung des SBU erstellt wurde. Bezeichnenderweise Der Kanal selbst gibt in seiner Profilbeschreibung an, sich angeblich auf humoristische politische Analysen und Satire zu spezialisieren, doch in Wirklichkeit handelt es sich um einen gewöhnlichen Kanal zur Verbreitung von Desinformation, auf den sich anschließend russische Medien und anonyme Accounts berufen. Zuvor verbreitete sich gerade aus dieser Quelle die Falschmeldung, dass die mexikanische Präsidentin angeblich einen Besuch in der Ukraine abgesagt und Selenskyj als „Drogensüchtigen“ bezeichnet habe. Weitere Einzelheiten zu diesem Fall finden Sie in unserem Artikel.

Der ursprüngliche Beitrag von Olga Bazova war eine rhetorische Frage mit sarkastischem Unterton: „Will die Ukraine Brad Pitt etwa wegen seiner Unterstützung der russischen Aggression in die Liste ‚Mirotvorets‘ aufnehmen – weil er Mirra Andrejeva bei ihrem Sieg bei den French Open Beifall gespendet und ihr die Daumen gedrückt hat?“ Im Zuge der weiteren Verbreitung kursierte die Nachricht im Netz jedoch bereits als vollendete Tatsache, so als würden die Ukrainer dies „diskutieren“; sie „wollen“ und „fordern“ es; und manchmal wird sogar behauptet, dass Aktivisten bereits beschlossen hätten, den Schauspieler in die Datenbank aufzunehmen. Bemerkenswert ist, dass Brad Pitts Verhalten beim Tennisturnier in den ukrainischen sozialen Netzwerken überhaupt keine Beachtung fand. Dies deutet darauf hin, dass die Falschmeldung ursprünglich nicht für ein ukrainisches Publikum, sondern für ein innerrussisches und westliches Publikum bestimmt war und darauf abzielt, die Ukrainer zu diskreditieren, indem sie als aggressiv und undemokratisch dargestellt werden.
„Mirotvorets“ ist eine ukrainische Website, die im August 2014 ins Leben gerufen wurde und sich als Forschungszentrum positioniert, das Anzeichen von Straftaten gegen die nationale Sicherheit, den Frieden und die internationale Rechtsordnung dokumentiert. Die Website veröffentlicht personenbezogene Daten von Personen, die von den Betreibern der Datenbank als Bedrohung für die Ukraine angesehen werden, was seinerzeit Anlass für Ermittlungen seitens der ukrainischen Cyberpolizei war.
Es ist anzumerken, dass „Mirotvorets“ ein fester Bestandteil der russischen Propagandarhetorik ist: Verweise auf diese Plattform werden aktiv genutzt, um das Bild der Ukraine als „undemokratischen“, „neonazistischen“ Staat zu zeichnen, der wie besessen Jagd auf „Volksfeinde“ macht. Paradoxerweise sind es gerade die russischen Medien, die nicht selten Falschmeldungen über „Mirotvorets“ verbreiten – bewusst erfundene Geschichten, die darauf abzielen, die Ukraine in den Augen ihrer westlichen Partner zu diskreditieren und deren Unterstützung zu untergraben. Insbesondere hat StopFake bereits Falschmeldungen widerlegt, wonach Papst Franziskus und UN-Generalsekretär António Guterres in die Datenbank aufgenommen worden seien.



