Weder „Vatican News“ noch die römische Polizei noch irgendein renommiertes internationales Medienunternehmen haben Informationen über einen solchen Vorfall veröffentlicht. Das in den sozialen Netzwerken verbreitete Video wurde aus öffentlich zugänglichen Fotos und Videoausschnitten zusammengeschnitten und mit einem gefälschten Text über einen erfundenen Vorfall unterlegt, um die Ukrainer zu diskreditieren.
In den sozialen Netzwerken kursieren Informationen, wonach betrunkene Ukrainer angeblich einen Gardisten des Papstes im Vatikan angegriffen hätten, weil dieser sich geweigert habe, sich mit ihnen fotografieren zu lassen. Als Beweis für die Richtigkeit dieser Meldung veröffentlichen Nutzer ein 21 Sekunden langes englischsprachiges Video mit dem Logo der Publikation „Vatican News“, das angeblich über diesen Vorfall berichtet. „Das ist WÖRTLICH der erste Fall in der Geschichte der päpstlichen Garde, in dem jemand sie anfasst…“, kommentieren Nutzer diesen Beitrag.

Tatsächlich handelt es sich bei dieser Information um eine Falschmeldung. Weder auf der offiziellen Website von Vatican News noch in den sozialen Netzwerken dieses Medienunternehmens, wie Instagram, Facebook oder X, gibt es einen solchen Bericht oder auch nur eine Erwähnung des Vorfalls mit „betrunkenen Ukrainern“. Auch die Suche nach Informationen über einen „Angriff von Ukrainern auf einen Gardisten des Papstes“ in anderen seriösen Medien in englischer, italienischer oder ukrainischer Sprache liefert keinerlei Ergebnisse. Die einzige Quelle, die solche „Nachrichten“ verbreitet, sind russische Telegram-Kanäle und pro-russische Nutzer in den sozialen Netzwerken.
Zudem stimmt die Gestaltung des Videos, das angeblich von „Vatican News“ stammt, nicht mit den tatsächlichen Medienbeiträgen des Unternehmens in den sozialen Netzwerken überein. Angesichts des kurzen Formats des Videos wurde es höchstwahrscheinlich als „Reels“-Beitrag auf der offiziellen Facebook– oder Instagram-Seite der Redaktion veröffentlicht. Allerdings sind die „Reels“ von Vatican News auf Facebook mit einem blauen oder roten Logo in der linken unteren Ecke des Bildschirms gekennzeichnet, während in dem Video aus den sozialen Netzwerken das rote Logo dieses Nachrichtenunternehmens in der linken oberen Ecke zu sehen ist.



Bei der Analyse der offiziellen Instagram-Seite der Publikation fällt auf, dass die Reels dort tatsächlich mit einem roten Logo in der oberen linken Ecke gekennzeichnet sind; allerdings unterscheidet sich die Schriftart der Nachrichtenbeiträge von der Schriftart in dem Video über die Ukrainer, das im Netz veröffentlicht wird. Eine ähnliche Kennzeichnung der Kurzvideos wie auf Instagram findet sich auch bei den Beiträgen des Unternehmens im sozialen Netzwerk X.

Angesichts all der oben genannten Fakten wird somit deutlich, dass das in den sozialen Netzwerken verbreitete Video aus Bildern der Schweizer Garde zusammengeschnitten wurde, die im Internet leicht zu finden sind. Das fertige Video wurde mit englischen Untertiteln versehen und auf Englisch vertont, wobei das Logo von Vatican News verwendet wurde, um die Glaubwürdigkeit zu erhöhen.
Pro-russische Propagandamedien erfinden regelmäßig fiktive Kriminalberichte, in denen Ukrainer in europäischen Städten eine Rolle spielen. Solche Narrative werden künstlich geschaffen, um in der europäischen Öffentlichkeit Unmut zu schüren, eine ablehnende Haltung gegenüber ukrainischen Asylbewerbern zu provozieren und die Unterstützung für die Ukraine zu schwächen.
StopFake deckt weiterhin solche Falschmeldungen auf, beispielsweise in den Beiträgen „Manipulation: ‚Laut WHO leiden etwa 70 % der Ukrainer an psychischen Störungen‘“, „Fake: Ukrainische Fans haben Israelis bei der WM 2026 in Toronto angegriffen – kanadischer Fernsehsender CTV News“, „Fake: In den EU-Ländern ‚hat man begonnen, Ukrainer massenhaft zu entlassen‘“.



