Russische Medien und auf der Krim beheimatete Medien berichteten Anfang Oktober 2017 von einem internationalen Kongress ukrainischer Diaspora-Organisationen, der auf der von Russland annektierten Halbinsel Krim stattgefunden haben soll. Der Kongress erklärte, dass er mit so genannten „konstruktiven Teilen der ukrainischen Bevölkerung” zusammenarbeiten wolle. Die Organisatoren behaupteten, dass Vertreter aus mehreren europäischen Ländern an der Versammlung teilgenommen hätten, einschließlich vom ukrainischen Festland. Diese ukrainischen Teilnehmer würden aber aus Sicherheitsgründen nicht näher benannt, meldete RIA Novosti.

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Dazu im Gegensatz verurteilten real existierende ukrainische Diaspora-Organisationen den Kongress als eine weitere russische Desinformationsmeldung. Schauen wir uns an, wer tatsächlich auf dem sogenannten „Diaspora-Kongress“ teilgenommen hat.
Einer der russischen Protagonisten in dieser Fälschung ist ein gewisser Herr Zaur Smirnow, Vorsitzender des sogenannten staatlichen Krimer Komitees für interethnische Beziehungen. Dieser schrieb auf seiner Facebook-Seite, dass „die ukrainische Diaspora bereit sei, der ganzen Welt zu erklären, dass das Kiewer Regime kein Recht hat, im Namen des gesamten ukrainischen Volkes zu sprechen“.

Lenta.ru, Krym.net, der Fernsehsender des russischen Verteidigungsministeriums Zvezda, REN TV, Vzglyad, Argumenty i Fakty, Kerch.FM, Pravda.ru, Voyennoye Obozrenie haben unter anderem über den Kongress geschrieben.

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Der von Russland kontrollierte Krim-Fernsehsender TRK Krym hat über den so genannten Kongress berichtet, indem er den Höhepunkt des Treffens ausgestrahlt hat, einen runden Tisch mit dem Titel „Zusammenarbeit der ukrainischen national-kulturellen Autonomie der Krim mit Landsleuten im Ausland“. Unter den Teilnehmern waren bekannte Anhänger Russlands und bekannte Ukraine-Hasser. Einer von denen, der ehemalige Abgeordnete der Partei der Region Vadim Kolesnitschenko. Beispielsweise initiierte er während seiner Amtszeit ein Gesetz, dass die Nutzung der ukrainischen Sprache einschränkte und den Gebrauch der russischen Sprache erweiterte. Herr Kolesnitschenko floh selbst 2014 aus der Ukraine und lebt zurzeit in Moskau. Weitere Teilnehmer waren Michail Kushakow, stellvertretender Bildungsminister der selbsternannten Donetsker Volksrepublik sowie der Journalist Rostyslav Ishchenko. Dieser schreibt für mehrere pro-russische Kreml-Medien und berichtet im russischen Fernsehen regelmäßig über die Ukraine aus einer pro-Kreml-Position.

Die in den Medien erscheinenden Protagonisten können aber keineswegs repräsentativ für die gesamte ukrainische Diaspora stehen, da sie nur eine kleine pro-russische, Pro-Kreml-Linie repräsentieren. In den Berichten der russischen Medien wird dies aber nicht herausgestellt, sondern verallgemeinert als repräsentativ für alle Diaspora-Ukrainer dargestellt.

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Wer nahm noch an dem sogenannten internationalen Kongress teil: Die sogenannte ukrainische Gemeinschaft der Krim, eine weitere ausgedachte Gruppe, deren Vorsitzender Oleg Usyk ein lokaler Abgeordneter der gegenwärtigen regierenden Einheitspartei Russlands ist.

Russische Medien berichteten weiter, dass Mitglieder der Union der Ukrainer in Polen an dem Treffen teilgenommen hätten. Dies verneint der Vorsitzende der Union Petro Tyma aber vehement. „Niemand von der ukrainischen Gemeinde in Polen ging zu diesem sogenannten Kongress“, sagte Tyma, und nannte die Veranstaltung ein Beispiel für „typische Desinformation des Kremls“.

Inzwischen hat sich auch der Weltkongress der Ukrainer, ein globales Gremium, das die Interessen der ukrainischen Diasporagemeinden auf der ganzen Welt repräsentiert geäußert. Demnach hat der Kongress nichts von der Veranstaltung auf der Krim gehört und wurde sicherlich auch nicht gefragt, am Kongress teilzunehmen.

Festgehalten werden sollte, dass die tatsächliche Diaspora-Organisation ihre Unterstützung für die neuste EU-Ukraine Erklärung des Parlamentarischen Assoziationsausschusses über die territoriale Integrität der Ukraine und ihren europäischen Integrationsprozess aussprach. Die Erklärung verurteilt Versuche von russischen Behörden und von ihnen kontrollierten Kräften, Gebiete der Ukraine in die Russische Föderation gewaltsam zu integrieren, und kritisiert zunehmende Menschenrechteverletzungen auf der Krim und in der Ostukraine.