Die Propagandisten haben den Kern des Artikels der polnischen Zeitung „Rzeczpospolita“ verzerrt dargestellt. Es geht nicht um eine Kampagne zur Entlassung von Ukrainern, sondern um das Auslaufen der vorübergehenden, vereinfachten Zulassungsregeln für den Beruf, die nach dem Beginn des umfassenden Krieges Russlands gegen die Ukraine eingeführt wurden. Im Sejm will man hingegen alles tun, damit ukrainische Mediziner ihre Arbeit in Polen fortsetzen können.
In den russischen Medien und auf Telegram-Kanälen kursieren Behauptungen, dass in Polen angeblich ukrainischen Ärzten „massiv die Zulassung entzogen“ werde, weil sie „die Sprache nicht beherrschen“ und „nicht arbeiten können“. Als Beweis werden ein Artikel der „Rzeczpospolita“ sowie Äußerungen des Vorsitzenden des Obersten Medizinischen Rates Polens, Łukasz Jankowski, angeführt.

Tatsächlich wird in dem Artikel der „Rzeczpospolita“ mit dem Titel „Ein Teil der Ärzte aus der Ukraine verliert die Zulassung zur Ausübung ihres Berufs. Der Sejm will diese verlängern“ („Część lekarzy z Ukrainy traci prawo do wykonywania zawodu. Sejm chce je przedłużyć“) eine ganz andere Situation beschrieben. Nach dem 24. Februar 2022 führte Polen ein vereinfachtes Verfahren zur Zulassung zur ärztlichen Tätigkeit für ukrainische Ärzte ein – ohne vollständige Nostrifizierung der Diplome und mit begrenzten formalen Anforderungen. Diese Genehmigungen waren befristet und wurden für einen bestimmten Zeitraum erteilt.
Wie die Zeitung anmerkt, läuft ein Teil dieser befristeten Genehmigungen aus, und genau aus diesem Grund verlieren einige Ärzte ihre Arbeitserlaubnis – nicht aufgrund von „Massenentlassungen“, sondern weil die Sonderregelungen auslaufen. Gleichzeitig erwägt der polnische Sejm die Möglichkeit einer Verlängerung dieser Regelungen, damit ukrainische Mediziner ihre Arbeit fortsetzen können. Allein die Tatsache, dass über eine Verlängerung diskutiert wird, widerlegt direkt die These vom „Verdrängen“ der Ukrainer vom Arbeitsmarkt.
Es sei außerdem darauf hingewiesen, dass die Anforderungen an die Beherrschung der polnischen Sprache für die Ausübung des Arztberufs bereits zuvor bestanden und mit der Patientensicherheit sowie der rechtlichen Haftung des Arztes zusammenhängen. Vorübergehende Ausnahmeregelungen ermöglichten es, ohne vollständige Einhaltung dieser Standards zu arbeiten, doch mit der Normalisierung der Regulierung gelten wieder die üblichen Vorschriften. Dies ist gängige Praxis für reglementierte Berufe in den EU-Ländern und richtet sich nicht ausschließlich gegen Ukrainer.
Darüber hinaus wird in dem Artikel der „Rzeczpospolita“ betont, dass das polnische Gesundheitssystem nach wie vor unter Personalmangel leidet und ukrainische Ärzte eine wichtige Rolle bei dessen Ausgleich spielen. Es geht um die Notwendigkeit, ihren Status zu regeln, und nicht um eine „Massenentlassung“.
Zuvor hatte StopFake die Falschmeldung widerlegt, wonach bis 2030 angeblich 10 Millionen Einwanderer in die Ukraine kommen würden.



