Russische Medien sind eifrig dabei eine neue Fälschung zu verbreiten, die behauptet, dass ukrainischen Behörden planen, die Bevölkerung der Krim und des Donbas als Terroristen zu klassifizieren.

Lenta.ru, Tsargrad, Pravda.ru, und sogar der sonst unabhängige Sender Dozhd’ TV Rain präsentierten Variationen dieser gefälschten Geschichte.

Website screenshot Lenta.ru

Website screenshot Tsargrad

Nach der Geschichte würden ukrainische Behörden Krim-Bewohner mit russischen Pässen und Ukrainer mit so genannten Donezker oder Luhansker Volksrepublik-Pässen als Terroristen ansehen, erklärte die Seite Tsargrad. Pravda griff die Geschichte auf und kommentierte, dass die Ukraine wieder eine absurde Einschätzung abgegeben hätte. Der Fernsehsender Dozhd‘ präsentierte eine Geschichte, die behauptete, dass die Ukraine ein Gesetz verabschiedet habe, nach der Einwohner der Krim (mit russischen Pässen) unter Terrorismusverdacht stellen könnte. Allerdings änderte der Sender Dozhd‘ später seine Geschichte und entschuldigte sich für seine irreführende und ungenaue Schlagzeile.

Website screenshot Dozhd’ TVRain

Die Quelle für diese irreführende und manipulierte Geschichte ist ein Artikel aus dem Internetportal Apostrof.  Im Artikel wird darüber spekuliert, ob die anvisierte Visumsfreiheit zwischen der EU und der Ukraine, auch für Ukrainer gelte, die momentan auf der besetzten Krim bzw. im besetzten Teil des Donbas leben würden. Die Journalistin Yulia Zabelina schreibt, dass ukrainische Passinhaber grundsätzlich für die Visumsfreiheit mit der EU berechtigt sind. Sie schließt allerdings den Artikel mit einem Zitat welches dem ukrainischen Migrationsdienst zugeschrieben wird: „Pässe aus nicht anerkannten Republiken könnten zu Verdacht auf terroristische Aktivitäten führen.“

Es ist dieser letzte Satz, der unzählige russische Fälschungen verursacht.

Website screenshot Apostrof

Die Autorin Zabelina sagte auf Anfrage von StopFake, dass Sie zu ihrer Geschichte stehe.

Der ukrainische Migrationsdienst sagte StopFake, dass Zabelinas Geschichte zum Großteil korrekt sei. Der ukrainische Migrationsdienst betont auch, dass es nicht in seiner Verantwortung liege, darüber zu entscheiden, ob jemand ein Terrorist sei, wenn er ein nicht anerkanntes LNR- oder DNR-Identifikationsdokument besitze.

Der Inlandsgeheimdienst der Ukraine, der SBU, erklärte auf StopFake-Anfrage, dass russische Pässe oder Identifikationsdokumente der LNR oder DNR, an sich natürlich keine Gründe für den Verdacht auf terroristische Aktivitäten sind.

Allerdings sollte klar sein, dass nicht anerkannte Pässe der DNR und LNR natürlich nicht unter die anstehende Visaliberalisierung zwischen der EU und der Ukraine fallen. Dafür brauchen Bewohner der Krim und der besetzten Gebiete in der Ostukraine weiterhin biometrische ukrainische Auslandspässe.