Der neu eingeschworene US-Präsident Trump könnte durch einen begangenen Mord des Amtes enthoben werden, geht man nach der Meinung verschiedener russischer, amerikanischer und einiger deutscher Medien. Diese „rabiate Lösung“ habe angeblich der DIE ZEIT-Herausgeber Josef Joffe am 22.1.2017 öffentlich in der Runde Presseclub & Nachgefragt vorgeschlagen. So verlautet es auf der Seite Breitbart , RT Deutsch und The Epoch Times – Deutsch. Wenn man sich das fragliche Phoenix-Video bei Youtube aber genauer betrachtet, wird deutlich, dass Joffe dies aber so gar nicht gemeint hat.

Zum Vergleich: Hier das Original der Sendung:

Zwar spricht Joffe in der Sendung tatsächlich von einem „Mord im Weißen Haus“ – allerdings in einem ganz anderen Kontext: Joffes unmittelbare Vorrednerin, die Juristin und Publizistin Constanze Stelzenmüller erläutert dabei die formalen Bedingungen einer Amtsenthebung in den USA („… es muss richtige Anklagepunkte geben …“) und meint abschließend: „Das sind politisch und auch rechtlich ziemlich hohe Hürden [um Trump des Amtes zu entheben, Anm. StopFake]. Da muss schon Einiges passieren.“ Darauf hin entgegnet Joffe sehr salopp und nach einige Sekunden: „Mord im Weißen Haus zum Beispiel.“, was von den anwesenden Journalisten postwendend als unseriöse Antwort zurückgewiesen wird.

Gemeint ist also: Sollte der Präsident etwa Tatverdächtiger in einem Mordfall werden, könnte es zu einer Amtsenthebung kommen. Eine völlig unbedenkliche Aussage, die Joffe hierbei trifft.

In dem auf Breitbart News verbreiteten Video wurde aber dieser Kontext komplett rausgeschnitten.

Stattdessen sieht man nur die zuvor von einer Anruferin gestellte Frage, ob es noch einen „Ausweg aus der Trump-Katastrophe“ gäbe, und dann gleich das (eigentlich in einem anderen Kontext geäußerte) Statement von Joffe: „Mord im Weißen Haus zum Beispiel.“

Der Text dagegen nennt zwar das zuvor Gesagte mit den juristischen Hürden, dennoch ist man bei Breitbart, RT Deutsch und Epoch Times davon überzeugt, dass sich Joffe nicht darauf bezieht, sondern auf die deutlich früher geäußerte Frage der Anruferin.

Laut Daniel Marcus, der auf Facebook auf diesen Fake aufmerksam gemacht hat, kommt es zu solchen fatalen Fehlinterpretationen aus folgenden Grund: „Ich denke, das hat vor allem mit einem psychologischen Phänomen zu tun, das sich längst nicht nur bei „alternativen Medien“ beobachten lässt: confirmation bias – „die Neigung, Informationen so auszuwählen, zu ermitteln und zu interpretieren, dass diese die eigenen Erwartungen erfüllen.“

Wenn in meinem Weltbild Josef Joffe ohnehin schon zu den Bösen zählt, dem ein solcher öffentlicher Mordaufruf prinzipiell zuzutrauen wäre, dann erhöht das die Wahrscheinlichkeit, dass ich seine Worte auch dementsprechend (miss-)interpretiere und den unmittelbaren Kontext dabei ignoriere.“, so Marcus in seinem Facebook-Post.

Die Aufklärungsseite „Die Kentrail-Verschwörung“ widmet dem Beitrag ebenso einen Beitrag:

Journalist ruft im deutschen TV zum Mord an Trump auf – und keiner hat’s gemerktVerschwörungstheoretiker und „…

Posted by Die Kentrail-Verschwörung on Sunday, January 29, 2017

Original-Facebookpost von Daniel Marcus, 29.1.2017