StopFake hat keine Bestätigung für einen solchen Fall gefunden, in dem ukrainischen Flüchtlingen ihre Kinder in Europa weggenommen wurden. Dem deutschen Bundeskriminalamt, bzw. Jugendämtern in Deutschland ist kein solcher Fall in den Familien ukrainischer Flüchtlinge bekannt. 

Pro-Kreml-Medien haben eine Erklärung von Wladimir Rogow, einem Kollaboratuer in der vorübergehend besetzten ukrainischen Region Saporischschja, in Umlauf gebracht, wonach ukrainischen Geflüchteten in Europa angeblich ihre Kinder ,,schamlos entrissen“ würden. 

Rogov zufolge ,,werden Babys aus ziemlich merkwürdigen Gründen von ihren Familien weggenommen – übermäßiger Appetit und starke emotionale Bindung an ihre Eltern gehören dazu. Er sagte, dass es bereits 79 solcher Fälle gibt, und dass die häufigsten angeblich in Deutschland auftreten. 

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Das Narrativ, dass Kinder in der EU aus irgendeinem Grund von ihren Familien weggenommen werden, insbesondere von Geflüchteten, wird von den russischen pro-Kreml-Medien regelmäßig verbreitet. Auf diese Weise versucht die Propaganda, das Bild eines unsicheren Europas ohne familiäre Werte (im russischen Sinne des Wortes) zu zeichnen, in dem Kinder gerne ihren Eltern weggenommen werden, um genau die europäischen Werte zu vermitteln, die den Russen zutiefst fremd sind. Es kursiert auch die Version, dass die Kinder dann angeblich an Pädophile übergeben oder sogar für Organe verkauft werden.

StopFake hat verschiedene Einrichtungen zum Schutz von Kindern und Jugendlichen in Deutschland kontaktiert und keine Bestätigung dafür erhalten, dass solche Fälle, in denen Kinder aus ukrainischen Flüchtlingsfamilien entnommen wurden, aufgetreten sind. Auch der Pressedienst des deutschen Bundeskriminalamtes erklärte in einer Stellungnahme an StopFake, dass ihm keine derartigen Fälle bekannt seien. Die Analyse von europäischen Medien zeigt auch, dass kein Medium über solche Fälle geschrieben hatte, obwohl Journalisten solchen Geschichten Aufmerksamkeit hätten schenken können, vor allem wenn es so viele wie 79 waren, wie Propagandist Rogov ihnen zu versichern versuchte.

Aufgrund der Tatsache, dass gefälschte Kindesentziehungen in Deutschland recht häufig verbreitet werden, haben europäische Journalisten des InfoMigrants-Projekts ein kurzes Erklärungsvideo produziert, um diese Narrativ zu widerlegen. InfoMigrants erklärt zum Beispiel, dass das Jugendamt in Deutschland die Aufgabe hat, Eltern bei der Kinderbetreuung und -erziehung zu unterstützen und in schwierigen Zeiten – wie etwa bei der Scheidung der Eltern – zu helfen.

,,Aber das Jugendamt prüft die Elternschaft nicht im Rahmen eines Integrations- oder Asylverfahrens. Sie hat keine Meinung zu Ihrem Erziehungsstil oder Ihren kulturellen Praktiken. Aber: Sie kann eingreifen, wenn es Anzeichen dafür gibt, dass Sie Ihrem Kind schaden könnten. Er wird eingreifen, wenn es Anzeichen dafür gibt, dass Sie eine Gefahr für das Wohl Ihres Kindes darstellen. Zu solchen Drohungen gehören körperliche, sexuelle oder psychische Misshandlungen. Solange Sie Ihr Kind mit Liebe und Respekt erziehen und Ihrem Sohn oder Ihrer Tochter keinen Schaden zufügen, haben Sie nichts zu befürchten“, erklärte das InfoMigrants-Projekt.

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Diese Behörden, die in Deutschland durchaus befugt sind, Kinder aus ihren Familien zu entfernen, weisen darauf hin, dass eine solche extreme Maßnahme nur dann angewandt wird, wenn das Kind wirklich in ernsthafter Gefahr ist. In anderen Fällen entscheiden die Experten gemeinsam mit den Eltern, welche Art von vorübergehender Hilfe dem Kind gewährt werden kann. Wenn ein Kind zu Hause in Gefahr ist, wird es entweder in einer Pflegefamilie oder in einem Heim untergebracht. Wenn ein Kind von zu Hause weggenommen wird, bemühen sich diese Zentren aktiv darum, dass das Kind Kontakt zu seiner leiblichen Familie hält. Aber andererseits hat auch noch nie jemand ein Kind wegen ,,schlechtem Appetit“ oder ,,starker Zuneigung/Bindung“ von seinen Eltern weggenommen.

Es ist auch erwähnenswert, dass die einzige Quelle dieser Desinformation Wladimir Rogow ist, der wiederholt Fälschungen und Propagandanachrichten der Russische Föderation verbreitet hat.