Das Video weist deutliche visuelle und akustische Anzeichen einer KI-Generierung auf, und die Überprüfung mit mehreren Deepfake-Detektoren hat die Wahrscheinlichkeit einer Manipulation bestätigt. Zudem hat Prokopenko eine solche Erklärung nicht auf seinen offiziellen Seiten veröffentlicht, und die Verbreitung des Videos ging gerade von propagandistischen Telegram-Kanälen aus.
Russische Propagandamedien verbreiten ein Video, in dem Denis Prokopenko angeblich dazu aufruft, „das Regime von Zelenskyj zu stürzen“. In den Veröffentlichungen wird behauptet, der Kommandeur der „Azov“-Truppe kritisiere das Vorgehen des ukrainischen Präsidenten und seines Präsidialamtes und werfe der derzeitigen Regierung den „Verlust der Souveränität“ und den „Zerfall des Landes“ vor. Die Propagandisten fügen dem Video zudem ihre eigenen Interpretationen hinzu – etwa, dass sich der Machtkampf in Kiew verschärft habe und das ukrainische Militär angeblich darauf hinarbeite, der derzeitigen politischen Führung Konkurrenz zu machen.

Tatsächlich weist dieses Video Anzeichen einer künstlichen Erzeugung auf. Schon bei der visuellen Betrachtung fällt auf, dass das Bild unnatürlich „glänzend“ und geglättet wirkt. Die Mimik ist eingeschränkt und stimmt nicht immer mit den gesprochenen Worten überein, und die Lippenbewegungen stimmen stellenweise nicht mit der Artikulation überein. Außerdem sind in der Tonspur unnatürliche Intonationen und falsche Betonungen bei einzelnen Wörtern zu hören. Solche Anzeichen sind typisch für Videos, die mithilfe von Technologien der künstlichen Intelligenz erstellt oder verändert wurden.
StopFake hat das Video außerdem mit dem von der Universität Buffalo entwickelten Tool „DeepFake-o-meter“ überprüft. Dieses Tool analysiert Fotos, Videos und Audiodateien auf mögliche Manipulationen mithilfe von KI. Um die Zuverlässigkeit des Videos zu gewährleisten, wurde es mit mehreren Algorithmen überprüft. Die Ergebnisse zeigten eine hohe Wahrscheinlichkeit, dass das Video künstlich erzeugt oder verändert wurde: LIPINC – 100 %, SBI – 99,7 %, LSDA – 61,1 %, CFM – 42,8 %.

Darüber hinaus hat StopFake das Video mithilfe der Website scanner.deepware.ai überprüft. Auch dieses Tool stufte das Video als verdächtig ein: Das Modell „avatarify“ ergab ein Ergebnis von „suspicious“ – 71 %. Detektoren sind für sich genommen kein absoluter Beweis, doch in Verbindung mit den visuellen Anzeichen einer KI-Erzeugung und dem Fehlen des Originals auf offiziellen Plattformen bestätigen sie die hohe Wahrscheinlichkeit, dass es sich bei dem Video um einen Deepfake handelt.
Ein weiteres wichtiges Anzeichen dafür, dass es sich um eine Fälschung handelt, ist das Fehlen einer solchen Stellungnahme auf den offiziellen Seiten von Denis Prokopenko und „Azov“. Zum Zeitpunkt der Überprüfung hatte Prokopenko ein solches Video weder auf seinen offiziellen Seiten noch über die offiziellen Kanäle des Korps veröffentlicht. Das Video wird ausschließlich über propagandistische Telegram-Kanäle verbreitet. Nach Angaben des Überwachungssystems Osavul wurde dieses Video am 5. Juni als erstes unter den erfassten Quellen vom Telegram-Kanal „Taktischer Krawatte“ veröffentlicht. Danach begannen andere pro-russische Medien, es zu verbreiten.
Das Ziel eines solchen gefälschten Videos ist es, den Eindruck einer inneren Spaltung in der Ukraine und eines Konflikts zwischen dem Militär und der politischen Führung zu erwecken. Die russische Propaganda verbreitet systematisch Thesen über einen „Kampf um die Macht“ in Kiew, die „Illegitimität“ der ukrainischen Regierung und eine angeblich wachsende Unzufriedenheit unter den Militärs. Der Deepfake mit dem bekannten Kommandeur der „Azov“-Truppe dient genau dazu, dieses Narrativ zu verstärken.
Zuvor hatte StopFake einen Deepfake analysiert, in dem ukrainische Soldaten angeblich „in der Werchowna Rada eine Schlägerei anzettelten“.



