In dem zitierten Artikel der „Zeit“ wird nicht erwähnt, dass gerade die Ukraine für den Drohnenangriff auf den Flughafen Leipzig verantwortlich sein soll. In dem Artikel wird darauf hingewiesen, dass die deutschen Ermittler alle möglichen Versionen prüfen, darunter auch eine Beteiligung Kiews. Die Autoren bezeichnen die Theorie einer Beteiligung der Ukraine jedoch als äußerst unlogisch. „Die Zeit“ betont, dass gerade die Russische Föderation ein weitaus größeres Interesse an einem Angriff auf Leipzig als bedeutendem Logistikzentrum habe, das unter anderem auch für den Transport von Militärhilfe in die Ukraine genutzt werde.

In den sozialen Netzwerken und auf russischen Websites werden massenhaft Informationen verbreitet, wonach laut Angaben der deutschen Zeitung „Die Zeit“ gerade die Ukraine hinter dem Versuch stehen könnte, einen Terroranschlag am Flughafen Leipzig in Deutschland zu verüben. Kiew habe angeblich eine Operation unter falscher Flagge geplant, um Russland zu diskreditieren. „Wahrscheinlich ist ein ausländischer Staat der Auftraggeber des mutmaßlichen Anschlags. Dabei verfügt die ukrainische Seite über große Erfahrung im Umgang mit Drohnen und könnte eine Aktion inszeniert haben, um die Bevölkerung in Deutschland von der Notwendigkeit einer verstärkten Unterstützung für Kiew zu überzeugen“, schreiben pro-russische Online-Gruppen.

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Tatsächlich handelt es sich bei dieser Information um eine Manipulation. Die russischen Medien reißen erneut Informationen aus ausländischen Medien aus dem Zusammenhang, um sie in einem für sich vorteilhaften Licht darzustellen. Im Originalartikel der „Zeit“ wird nicht erwähnt, dass gerade die Ukraine für den Einsatz von Drohnen am Flughafen Leipzig verantwortlich sein soll. In dem Artikel wird darauf hingewiesen, dass deutsche Ermittler alle möglichen Versionen prüfen, einschließlich einer Beteiligung Kiews. Die Autoren des Artikels führen jedoch gleich drei stichhaltige Argumente an, warum die Organisation einer solchen Operation für die Ukraine äußerst unlogisch und unvorteilhaft wäre. „Die Zeit“ betont, dass gerade die Russische Föderation mit weitaus größerer Wahrscheinlichkeit ein Interesse an einem Angriff auf Leipzig gehabt haben könnte, da der Flughafen ein wichtiger Logistikknotenpunkt ist, der unter anderem für den Transport von Militärhilfe in die Ukraine genutzt wird.

Der Artikel, auf den sich russische Public-Gruppen beziehen, wurde am 12. August 2026 auf der Website von „Die Zeit“ unter dem Titel „Explosion – unweit des Flughafens, am Abend jenes Tages, an dem eine Drohne entdeckt wurde“ veröffentlichtDie Zeitung untersucht, ob die Explosion in der Nähe des Flughafens Leipzig mit dem Fund einer unbekannten Drohne in der Nähe eines der ukrainischen „Antonov“-Frachtflugzeuge am Abend des 4. August 2026 in Zusammenhang stehen könnte, und wer hinter diesen Vorfällen stecken könnte.

Die Zeitung „Die Zeit“ beschreibt den Aufsehen erregenden Vorfall auf dem Gelände des Leipziger Flughafens recht ausführlich. Aus dem Text geht hervor, dass etwa zehn Minuten, nachdem ein Augenzeuge angeblich eine Explosion gehört hatte, eine Drohne am Flughafen Leipzig auftauchte. Sie war nicht besonders groß und handelte es sich um einen Quadcopter mit vier Rotoren. An ihr war ein Sprengkörper befestigt, den die Drohne hätte abwerfen können. An jenem Dienstagabend, dem 4. August, befanden sich mehrere ukrainische Frachtflugzeuge des Typs „Antonov“ auf dem Flughafengelände. Sie transportierten unter anderem militärische Fracht für die Ukraine.

„Aus den Videoaufnahmen, die die Ermittler einige Tage später auswerten, geht hervor, dass gegen 19:30 Uhr ein Gegenstand direkt auf den Flügel eines dieser Flugzeuge fällt. Also genau dort, wo sich normalerweise die Treibstofftanks befinden. Es kam jedoch zu keiner Explosion – aus Gründen, die bis heute unklar bleiben“, bemerkt die Zeitung.

Was die derzeit diskutierten Theorien betrifft, wer hinter der Explosion am Flughafen und dem mutmaßlichen Anschlagsversuch auf das ukrainische Flugzeug „Antonow“? Die Ermittler des Bundeskriminalamts und die Experten des Bundesministeriums des Innern bringen gleich mehrere Theorien vor. Der ersten Theorie zufolge könnte die Ukraine hinter dem versuchten Terroranschlag gestanden haben. Die Zeitung „Die Zeit“ schränkt jedoch sofort ein, dass dies unwahrscheinlich sei, und führt drei Argumente an, die nicht in die Logik der Ereignisse passen.

„Es gilt als plausibel, dass ein Staat den Auftrag dazu erteilt hat. Die erste Theorie besagt, dass die Ukraine zu den Verdächtigen zählen könnte. Sie kennt sich gut mit Drohnen aus und könnte an einer Operation unter falscher Flagge interessiert sein. Das heißt, bei einem Angriff, der wie ein russischer aussehen sollte: mit dem Ziel, die deutsche Bevölkerung dazu zu bewegen, sich noch aktiver am Kampf gegen Russland zu beteiligen. Diese Theorie weist jedoch Lücken auf: Erstens ist Deutschland ohnehin einer der aktivsten Unterstützer der Ukraine. Zweitens würde die Ukraine bei einem solchen Angriff ihr eigenes Frachtflugzeug riskieren. Und drittens wäre es völlig unvorhersehbar, wie die deutsche Öffentlichkeit tatsächlich auf ein solches Ereignis reagieren würde“, schreibt „Die Zeit“.

Unmittelbar danach führt die deutsche Publikation Argumente für die Theorie an, wonach Russland höchstwahrscheinlich an den Explosionen in Leipzig beteiligt war: „Es bleibt eine zweite Version: Hinter dem Anschlag steckt Russland. Denn auch Russland kennt sich gut mit Drohnen aus, ebenso wie mit hybriden Angriffen. Vor allem aber hat Russland ein Motiv, das aus seiner Sicht logisch erscheint. Unmittelbar an den Flughafen Leipzig/Halle grenzt das Bundesland Sachsen-Anhalt. Im September finden hier die Landtagswahlen statt; die pro-russische Partei „AdG“ (AfD) liegt nur wenige Prozentpunkte von der absoluten Mehrheit entfernt. Und die deutsche Bundesregierung gerät von einer Krise in die nächste, während die „AfD“ in den Meinungsumfragen auf Bundesebene führt. Ist das nicht der richtige Zeitpunkt, um der „AfD“ zu einem Durchbruch zu verhelfen? Und zwar gerade durch Einschüchterung der Bevölkerung? Russland könnte das Ziel verfolgt haben, den Deutschen mit Hilfe einer gewaltigen Explosion an einem großen Flughafen zu demonstrieren: „Wenn ihr keine anderen Regierungen wählt, wird der Krieg zu euch kommen.“

Darüber hinaus weist „Die Zeit“ auch auf die mögliche symbolische Bedeutung einer solchen Maßnahme hin. Nach dem Beginn der großangelegten russischen Invasion in der Ukraine verlegte das Unternehmen „Antonov“ weitere Flugzeuge und seinen operativen Stützpunkt nach Leipzig, um sie vor russischen Angriffen zu schützen. „Sie stehen im südlichen Teil des Flughafens und sind mit Aufschriften versehen, die die Namen von Orten tragen, die besonders stark unter der russischen Invasion gelitten haben. ‚Sei mutig wie Butscha‘, lauten die Aufschriften. Oder „Sei mutig wie Cherson“. Sollte eines dieser Flugzeuge tatsächlich explodieren – was offenbar das Ziel der Angreifer war –, würde dies nicht nur materiellen, sondern auch symbolischen Schaden anrichten: Es wäre ein Schlag gegen den Verteidigungskampf der Ukraine sowie gegen ihre Zusammenarbeit mit der NATO“, heißt es in dem Artikel.  

Es sei außerdem darauf hingewiesen, dass es einige Tage nach dem Vorfall am Leipziger Flughafen zu einem „verdächtigen Überflug“ unbekannter Drohnen über einer wichtigen Einrichtung des Bundeswehrs in der deutschen Stadt Mechernich, wo Reparaturen an den „Patriot“-Luftabwehrsystemen durchgeführt werden. Die Tagesschau bezeichnet diese Einrichtung als „Herzstück des Logistiknetzes der Bundeswehr“. „Die jüngsten Drohnenflüge über diesen Stützpunkt geben den Sicherheitsbehörden Anlass zu besonderer Besorgnis: Diesen Angaben zufolge haben Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes in der Nacht zum Freitag (vom 6. auf den 7. August 2026 – Anm. d. Red.) insgesamt sechs Drohnenflüge im Zeitraum von 22:00 Uhr bis 5:00 Uhr morgens registriert“, berichtet die deutsche Website.

Die Zeitung betont, dass dies bei weitem nicht die ersten Vorfälle dieser Art auf deutschem Gebiet sind. Insbesondere über Marinebasen an der Nord- und Ostsee sowie über Einrichtungen, in denen ukrainische Soldaten ausgebildet wurden, wurden zuvor Flüge unbekannter Drohnen gesichtet. Die Sicherheitsbehörden vermuten, dass hinter einigen dieser Vorfälle staatliche Stellen Russlands oder angeheuerte „Einmal-Agenten“ stecken könnten.

So griffen russische Websites und Social-Media-Seiten wie üblich auf die Taktik zurück, Zitate aus dem Zusammenhang zu reißen und den Sinn der in ausländischen Medien veröffentlichten Beiträge zu verzerren. Tatsächlich nennt die Zeitung „Die Zeit“ gerade die Russische Föderation und nicht die Ukraine als den wahrscheinlichsten Drahtzieher der Anschläge am Flughafen Leipzig/Halle.

StopFake deckt weiterhin solche Falschmeldungen auf, beispielsweise in den Artikeln „Manipulation: Das 21. Sanktionspaket gegen Russland könnte das letzte sein – Financial Times“, „Fake: Die italienische Mafia kauft Drohnen auf, die aus der Ukraine auf den Schwarzmarkt gelangt sind“, „Fake: Russische Raketen sind für die ukrainische Luftabwehr nun unantastbar – 19FortyFive“.