Die Organisation „Visit Ukraine“, deren Website auf dem Plakat angegeben ist, bestreitet, eine solche Werbung in Mumbai in Auftrag gegeben zu haben. Die Falschmeldung ist Teil einer Propaganda-Erzählung über eine angebliche massive Einreise von Migranten aus Indien in die Ukraine.
Im Internet kursiert ein Foto eines Werbeplakats, das angeblich in der indischen Stadt Mumbai angebracht wurde. Das Plakat zeigt ein Mädchen in ukrainischer Tracht und ruft dazu auf, in der Ukraine Arbeit zu suchen, dorthin zu ziehen, eine Familie zu gründen und sich eine Zukunft aufzubauen. Am unteren Rand des Plakats ist ein Link zur Website visitukraine.today angegeben, einem Serviceportal für Touristen, die die Ukraine besuchen.

Die Fotos der Plakate sind jedoch gefälscht. StopFake wandte sich mit der Bitte um Stellungnahme an die Organisation „Visit Ukraine“, die die Schaltung der Werbung offiziell dementierte. „Dieses Bild ist zu 100 % eine Fälschung und Desinformation. Wir rufen die internationale Gemeinschaft und die Medien dazu auf, ausschließlich verifizierten Informationen zu vertrauen“, erklärte man bei Visit Ukraine. Vertreter der Organisation vermuteten, dass das Bild mit Hilfe von Bildbearbeitungsprogrammen oder KI-Tools erstellt wurde und die Plakatvorlage künstlich auf das Foto des Gebäudes gelegt wurde. Darüber hinaus ist VisitUkraine.today ein Informationsportal, das Touristen, Flüchtlingen und ausländischen Staatsangehörigen dabei hilft, Grenzen sicher zu überqueren, rechtliche Unterstützung zu erhalten und sich über die aktuellen Einreisebestimmungen für die Ukraine zu informieren. Ihren Angaben zufolge haben sie niemals Kampagnen zur „demografischen Substitution“ oder zur gezielten Umsiedlung von Einwohnern anderer Länder gestartet.
Diese Falschmeldung ist Teil einer gezielten russischen Desinformationskampagne über eine angebliche massive Einreise von Migranten aus Indien, Afrika und dem Nahen Osten in die Ukraine. Den Verlauf dieser Erzählung haben wir im Artikel „4–5 Millionen Inder in der Ukraine“ ausführlich analysiert – wie Russland Falschmeldungen verbreitet, um die eigene Bevölkerung zu spalten. Die Kampagne wurde Anfang Mai 2026 gestartet und mittels Bots, massenhafter identischer Nachrichten und KI-generierter Inhalte verbreitet, die gegen Migranten gerichtete Stimmungen schürten.
Dabei entbehrt diese Meldung jeder realen Grundlage: Die staatliche Arbeitsagentur erklärte, dass der drastische Anstieg der Zahl ausländischer Arbeitskräfte ein Mythos sei. „Vor Beginn der groß angelegten Invasion erhielten Arbeitgeber jedes Jahr etwa 20.000 Arbeitsgenehmigungen für Ausländer. Nach 2022 ist diese Zahl gesunken und hat bis heute nicht wieder das Vorkriegsniveau erreicht“, erklärte die Behörde. Von den zweieinhalbtausend Migranten, die im Jahr 2026 in die Ukraine kamen, sind lediglich hundert indische Staatsbürger. Die Falschmeldung wirkt sich jedoch bereits negativ auf das Leben von Ausländern in der Ukraine aus: Die BBC berichtete über den 25-jährigen Arzt Hari Om, der bereits seit sechs Jahren in der Ukraine lebt und in seinem Fachgebiet arbeitet, seit Mai jedoch aufgrund seiner indischen Herkunft eine Reihe negativer Bemerkungen und sogar Drohungen gegen sich erhalten hat. Da er zuvor in der Ukraine noch nie mit feindseligen Äußerungen konfrontiert war, führt der Mann diese veränderte Haltung gerade auf die im Internet verbreitete Propaganda über Migranten zurück.
Eine Gegendarstellung zu diesem Thema finden Sie in den Artikeln „Fake: In Iwano-Frankiwsk ‚waschen Migranten aus Indien ihre Wäsche direkt im Fluss‘“, „Fake: In der Ukraine wird es bis 2030 10 Millionen Einwanderer geben – Gesetzesentwurf und Fake: Die ersten Migranten aus Bangladesch sind in Transkarpatien angekommen.



