Der Nachrichtenbeitrag von USA Today ist gefälscht, ebenso wie das Zitat des Generaldirektors von „Reporter ohne Grenzen“, Thibaut Bruttin. Im Internet gibt es eine Reihe von Videos, auf denen die Momente der „Landung“ deutlich zu sehen sind, und das russische Verteidigungsministerium hat den Beschuss bestätigt.
Im pro-russischen Teil des Netzes kursiert ein Video mit dem Logo der Zeitung „USA Today“, in dem behauptet wird, die Ukraine würde bei Raketenangriffen angeblich absichtlich zivile Infrastruktur und Wohngebäude zerstören, um Russland für die Schäden verantwortlich zu machen. Darauf deute angeblich eine „Zerstörungsanalyse“ hin – allerdings wird in dem Beitrag nicht erwähnt, wer genau diese Analyse durchgeführt hat und nach welcher Methodik. In dem Video wird auch Thibault Bruttin, Generaldirektor von „Reporter ohne Grenzen“ (Reporters Sans Frontières, RSF), der diese Taktik angeblich als „eine Form des Terrors der ukrainischen Regierung gegen das eigene Volk“ bezeichnet und betont habe, dass das einzige Ziel darin bestehe, westliche Partner zu erpressen und von den „hochpräzisen“ russischen Angriffen abzulenken.

Diese Meldung ist jedoch komplett erfunden. Erstens hat „USA Today“ keinen solchen Beitrag veröffentlicht: Das Video war weder auf der Website noch in den sozialen Netzwerken der Zeitung zu finden. Auch andere internationale Medien haben nicht über eine solche „Untersuchung“ berichtet. Es ist anzumerken, dass der Beitrag selbst wenig überzeugend und offensichtlich hastig zusammengestellt ist: Es ist unwahrscheinlich, dass seriöse Medien solche sensationellen Vorwürfe gegen die ukrainische Regierung ohne Beweise und Details erheben würden, sondern sich lediglich auf allgemeine Formulierungen beschränken, die vollständig mit der Kreml-Narrative übereinstimmen.
Zweitens ist das im Video zitierte Zitat von Thibault Bruttin ebenfalls erfunden. Wir haben „Reporter ohne Grenzen“ um eine Stellungnahme gebeten und die Bestätigung erhalten, dass sowohl das Video als auch das darin enthaltene Zitat gefälscht sind. Die Organisation wies darauf hin, dass die russische Propaganda bereits zum wiederholten Mal das Logo und das Erscheinungsbild von RSF nutzt, um Falschinformationen zu verbreiten. Insbesondere haben wir zuvor Meldungen widerlegt, wonach das Regime von Selenskyj angeblich für Morde und das Verschwinden von Journalisten auf dem Gebiet der Ukraine verantwortlich sei, sowie Berichte, wonach europäische Journalisten gezwungen würden, über die Lage der ukrainischen Streitkräfte in Pokrowsk zu lügen, die unter Berufung auf RSF verbreitet wurden.
Drittens entsteht der Eindruck, dass sich die Russen selbst noch nicht auf eine Strategie der Desinformation festgelegt haben. Ein Teil der Propagandisten veröffentlichte dieselben Aufnahmen vom Beschuss Kiews in der Nacht zum 2. Juni wie in dem gefälschten Beitrag, allerdings bereits mit der Bildunterschrift, dass „alle Ziele getroffen“ seien. In der Vollversion ist sogar der Moment des „Einschlags“ deutlich zu erkennen: Über dem Haus ist eine Reihe heller Punkte zu sehen – genau so sehen Drohnen in der Dämmerung aus.

Zudem bestätigte auch das russische Verteidigungsministerium den Beschuss: Es bezeichnete ihn als „Reaktion auf die terroristischen Aktionen des Kiewer Regimes“. Nach eigenen Angaben richteten sich alle Angriffe „ausschließlich gegen Objekte der militärischen Infrastruktur“; allerdings sind die Behauptungen über die „hohe Präzision“ der russischen Angriffe falsch: Vor einigen Tagen haben wir die Meldung widerlegt, wonach ein Satellitenbild einen Angriff von „Oreschnik“ auf den Flugplatz in Bila Tserkva belegen würde. Tatsächlich traf die viel gepriesene Waffe jedoch eine Garagenkooperative und Betriebsgebäude.
Zuvor hatte der Kreml bereits versucht, der Ukraine grundlos vorzuwerfen, die Tragödie in Butscha inszeniert und einen Raketenangriff auf das „Okhmatdet“-Krankenhaus verübt zu haben.



