Das stimmt nicht. Das verbreitete Video ahmt lediglich das Layout von „Le Point“ nach und dient dazu, die alte russische Darstellung einer angeblichen massiven Beteiligung der Franzosen am Krieg gegen Russland zu verbreiten.
Russische Propagandamedien verbreiten ein Video mit dem Logo der französischen Zeitschrift „Le Point“, in dem behauptet wird, das französische Außenministerium habe angeblich die Anwesenheit von mindestens 22.000 französischen „Söldnern“ in der Ukraine bestätigt. In demselben Video heißt es, dass ihre Zahl laut Informationen der BBC angeblich sogar 70.000 betrage.
Propagandakanäle berichten, dass Frankreich angeblich heimlich am Krieg gegen Russland beteiligt sei, seine Soldaten jedoch offiziell als „Freiwillige“ ausweise. Insbesondere wird in solchen Veröffentlichungen behauptet, dass der Westen Berichte über die Beteiligung von Soldaten aus Nordkorea am Krieg kritisiert habe, selbst aber angeblich Zehntausende französische Kämpfer in die Ukraine entsende.

Tatsächlich handelt es sich um eine Falschmeldung. Weder „Le Point“ noch die BBC haben solche Informationen veröffentlicht. Das verbreitete Video ahmt zwar den visuellen Stil von „Le Point“ nach, steht jedoch in keinem Zusammenhang mit der französischen Zeitschrift.
StopFake hat weder auf der Website von Le Point noch in den offiziellen Social-Media-Kanälen der Zeitschrift (Instagram, Facebook und X) einen solchen Beitrag gefunden. Auch auf der Website der BBC gibt es keine Berichte darüber, dass sich angeblich 70.000 französische „Söldner“ in der Ukraine aufhalten. Diese Zahlen werden weder von offiziellen französischen Quellen noch von renommierten internationalen Medien bestätigt.
Darüber hinaus hatte das französische Außenministerium bereits zuvor russische Behauptungen über „französische Söldner“ in der Ukraine zurückgewiesen. Im Januar 2024, nach erneuten Erklärungen des russischen Verteidigungsministeriums über angeblich getötete französische Kämpfer in Charkiw, bezeichnete Paris diese Anschuldigungen als Manipulation und als Teil der russischen Desinformationskampagne.
StopFake hat auch das Video selbst analysiert. Es wird von Hintergrundmusik begleitet, enthält jedoch weder direkte Äußerungen des Journalisten noch Kommentare eines Sprechers. Das Video besteht aus kurzen Einblendungen und grafischen Elementen, die den Stil von „Le Point“ imitieren: das Logo der Zeitschrift oben rechts im Bild sowie eine abschließende Animation mit der Aufschrift „Le Point“ und den Namen der Autoren – „Vidéo: Boris Hansel, Pierre Le Mouellic“.
Diese Namen bestätigen jedoch nicht die Echtheit des Videos. Boris Hansel arbeitet zwar tatsächlich mit „Le Point“ zusammen, ist jedoch Arzt, Spezialist für Ernährung und Endokrinologie sowie Autor von medizinischen und populärwissenschaftlichen Videos. Seine Beiträge für „Le Point“ befassen sich mit Themen aus den Bereichen Gesundheit, Ernährung und Medizin, nicht jedoch mit dem Krieg in der Ukraine oder der französischen Außenpolitik. StopFake hat keine Hinweise darauf gefunden, dass Boris Hansel in irgendeiner Weise mit dem verbreiteten Video über „französische Söldner“ in Verbindung steht.
Ein weiteres Anzeichen für eine Fälschung ist das Bildmaterial. In dem Video werden keine Originalfotos und -videos verwendet, wie es bei Le Point üblicherweise der Fall ist, sondern Stockbilder und verallgemeinerte Aufnahmen, die die im Video aufgestellten Behauptungen nicht untermauern. Das Video enthält keine Verweise auf Dokumente, offizielle Erklärungen des französischen Außenministeriums oder Veröffentlichungen der BBC, obwohl sich die Hauptthese angeblich gerade auf diese stützt.
Nach Angaben der Osavul-Überwachung wurde das Video am 12. Juni als eines der ersten vom Telegram-Kanal „Gagausische Republik“ verbreitet. Anschließend wurde es von anderen pro-russischen und propagandistischen Medien aufgegriffen. Dies deutet ebenfalls auf den künstlichen Charakter der Verbreitung hin: Das Video erschien nicht auf den offiziellen Kanälen von Le Point oder der BBC, sondern kursierte ausschließlich in pro-kremlischen Telegram-Kanälen.
Die russische Propaganda verbreitet regelmäßig die Behauptung von „französischen Söldnern“. Zuvor hatte Moskau bereits von einer angeblichen massiven Präsenz französischer Kämpfer in der Ukraine und deren „Liquidierung“ durch die russische Armee gesprochen. Diese Behauptungen wurden nicht durch Beweise untermauert und bereits von französischer Seite, Journalisten und Faktenprüfern widerlegt – weitere Informationen hierzu finden Sie auf der Website von StopFake.



