Laut der Grenzkontrolle des russischen Geheimdienstes (FSB) strömen gerade scharenweise Ukrainer auf die von Russland annektierte Halbinsel Krim um dort Urlaub zu machen. Russlands offizielle Nachrichtenagentur RIA Novosti und andere Veröffentlichungen verbreiteten mehrere Geschichten über einen angeblichen Ansturm in der Spätsaison auf die Krim.

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Offizielle ukrainische Grenzkontrollen und Statistiken zeigen aber ein etwas anderes Bild, ebenso wie letzte soziologischen Umfragen zur Motivation der Reisenden.

Die Headline sind eindeutig: Zehntausende Ukrainer fahren auf die Krim, Riesige Touristenströme aus der Ukraine auf die Krim, alle große Hotels auf der Krim sind ausgebucht, acht- bis neuntausend Ukrainer fahren täglich auf die Krim – das waren die Schlagzeilen auf Seiten, wie Argumenty I Fakty, Sputnik, Rossiyskaja Gazeta, Ukraina.ru, Zvezda, RIA Nowosti Ukraina, Vzglyad, Antifaschist, Kharkiv Nachrichtenagentur und andere Publikationen

 

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Anfang August berichtete das russische Tourismusministerium der annektierten Krim dass im Jahr 2017 fast 3 Millionen Menschen (knapp 2.859.000) die Krim besucht hätten. Im September stieg diese Zahl plötzlich auf 4,5 Millionen Menschen an. Inzwischen berichtete Russlands föderale Tourismusagentur, dass bis am 30. August 3,7 Millionen Menschen auf der Krim Urlaub gemacht hätten.

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Kommen wir aber zu den Fakten: Nach offiziellen ukrainischen Grenzkontrollen sind im August 2017 165.800 Menschen von der Krim auf das ukrainische Festland ausgereist und 193.500 Menschen sind aus der Ukraine auf die Krim eingereist. Damit sind nur knapp 6.240 Ukrainer pro Tag auf die Krim gereist und nicht acht bis neuntausend, wie unter anderem behauptet wird.

Neben dieser statistischen Unwahrheit sollte man zusätzlich noch in Betracht ziehen, dass diese Menschen nicht vorrangig aus touristischen Gründen auf die Krim reisen.

Beispielsweise führte das Internationale Kiewer Soziologische Institut(KIIS), vor der Sommersaison eine Umfrage über die Sommerferienpläne der Ukrainer durch. Dabei sagten nur ein Prozent der Befragten, dass sie in diesem Sommer auf die Krim Urlaub machen wollten. Der ehemalige ukrainische Tourismusminister der Krim zeichnet ebenso ein anderes Bild der touristischen Popularität der Krim. Er sagt, dass in der ersten Hälfte des Jahres 2017 nur hunderttausend Ukrainer die Krim besucht haben. Vor der russischen Annexion der Krim im Jahr 2014, besuchten bis zu 6 Millionen Touristen die Halbinsel in der Sommerzeit, 4 Millionen von ihnen kamen aus der Ukraine. Selbst wenn man von dem unwahrscheinlichen Szenario ausgeht, dass über 12 Monate lang konstant 193.500 Menschen von der Ukraine auf die Krim einreisen, sind dies insgesamt zusammenaddiert nur circa 2.322.000 Menschen. Dies entspricht etwas mehr als der Hälfte der früheren Einreisen.

Dazu kommt, dass viele Ukrainer weiterhin Wohneigentum auf der Krim besitzen und bei Reisen überprüfen wollen, in welchem Zustand sich diese Immobilien befinden. Deswegen würden sich viele im Sommer auf die Krim begeben, sagt der stellvertretende Minister für die temporär besetzten Gebiete Yusuf Kurkchi. Außerdem fahren ukrainische Studenten, die auf der Krim beheimatet sind in der Sommerpause nach Hause. Diese kehren dann zu Beginn des Schuljahres wieder zum ukrainischen Festland zurück und werden auch vom Grenzschutz registriert.