Das verbreitete Diagramm wurde mit einem Bildbearbeitungsprogramm bearbeitet. In zuverlässigen Quellen gibt es kein einziges Material, das die Informationen in den russischen sozialen Netzwerken bestätigen würde. Darüber hinaus zeigen die jüngsten Meinungsumfragen unter Ukrainern, dass die Mehrheit der Bevölkerung nicht bereit ist, die Kampfhandlungen ohne ernsthafte Sicherheitsgarantien seitens der westlichen Partner „einzufrieren“.
In den sozialen Netzwerken und auf russischen Websites werden massenhaft Informationen verbreitet, wonach die Ukrainer den Krieg schneller beenden wollen, um Menschenleben und die Würde der Menschen zu schützen. Dafür hätten sich laut den Ergebnissen einer Umfrage angeblich 70 % der Befragten ausgesprochen. Deutlich weniger, nämlich 21 %, halten die Wahrung der Gebiete und der staatlichen Unabhängigkeit für vorrangig. Russische öffentliche Seiten verbreiten zudem ein Diagramm, das die „Ergebnisse der jüngsten Umfrage unter Ukrainern“ veranschaulicht.

Tatsächlich handelt es sich bei diesen Informationen ebenso wie bei der Grafik selbst um eine Fälschung. Die verbreitete Grafik ist gefälscht und wurde mit einem Bildbearbeitungsprogramm manipuliert. In seriösen Quellen gibt es keinen einzigen Beitrag, der die Informationen in den russischen sozialen Netzwerken bestätigen würde. Darüber hinaus zeigen die jüngsten Meinungsumfragen unter Ukrainern, dass die Mehrheit der Bevölkerung nicht bereit ist, die Kampfhandlungen ohne ernsthafte Sicherheitsgarantien seitens der westlichen Partner der Ukraine „einzufrieren“.
Erstens führt die Suche nach einer solchen Meinungsumfrage unter Ukrainern zu den Bedingungen für ein Kriegsende in öffentlich zugänglichen Quellen zu keinerlei Ergebnissen. Kein einziges ukrainisches Meinungsforschungsinstitut hat derartige Umfrageergebnisse unter Ukrainern veröffentlicht. Darüber hinaus wird in der Grafik selbst, die in den sozialen Netzwerken verbreitet wird, kein einziges renommiertes Meinungsforschungsinstitut genannt – wie beispielsweise KMIS, das Razumkov-Zentrum oder „Rating“ –, das diese Untersuchung durchgeführt hat.
Darüber hinaus zeigt die Analyse des verbreiteten Bildes mit dem Tool zur Erkennung gefälschter Bilder „Fake Image Detector“, dass das Bild mit einer Wahrscheinlichkeit von 78 % am Computer erstellt oder bearbeitet wurde. Darauf deuten die extrem geringe Bildauflösung sowie ein unorganisches Objekt hin, das einem Wasserzeichen ähnelt. Zudem lassen sich bei der Analyse des Bildes selbst mit bloßem Auge leicht Spuren einer Bearbeitung erkennen, und zwar nicht nur beim Text, sondern auch bei den Prozentangaben.

Es ist anzumerken, dass die Formulierung der Fragen zudem „die Rettung von Menschenleben“ und „das Territorium“ künstlich gegeneinander ausspielt, obwohl sich in offiziellen ukrainischen Umfragen die Mehrheit der Bürger für die Wahrung der territorialen Integrität als Garantie für langfristige Sicherheit und das Leben ausspricht.
Was die jüngsten Meinungsumfragen betrifft, so zeigt die Auswertung der aktuellen Umfrage des KMIZ (Mai–Juni 2026), dass die ukrainische Gesellschaft Kompromissen nicht grundsätzlich verschlossen ist, jedoch ist der Sicherheitsaspekt der entscheidende Faktor, der über Zustimmung oder Ablehnung entscheidet. Die Ukrainer sind nicht bereit, vor der Russischen Föderation zu kapitulieren, nur um die Kampfhandlungen zu beenden und „Leben und Würde zu bewahren“, wie es in russischen sozialen Netzwerken heißt.
Wenn also lediglich ein Waffenstillstand ohne Unterstützung durch die Partner und ohne Sicherheitsgarantien vorgeschlagen wird, lehnen 61 % der Ukrainer solche Bedingungen kategorisch ab. Die Gesellschaft hat aus den Erfahrungen mit den Minsker Vereinbarungen und dem Budapester Memorandum gelernt und betrachtet dies als vorübergehende Atempause vor einem neuen Angriff seitens der Russischen Föderation. Wenn man hingegen die Möglichkeit einer Beteiligung europäischer Truppen direkt an der Kontaktlinie in Betracht zieht, sind in diesem Fall 60 % bereit, einen „Konfliktstillstand“ entlang der derzeitigen Trennlinie zu akzeptieren, während 33 % dagegen sind.

Anton Grushetsky, Geschäftsführer des KMIZ, stellte fest, dass die Umfrage erneut bestätige, dass die Ukrainer offen für einen konstruktiven Dialog zur Beendigung des Krieges seien und sogar bereit seien, erhebliche territoriale Kompromisse einzugehen. „Die einzige Seite, die den Frieden verhindert und die volle Verantwortung für die anhaltende Zerstörung und den Tod trägt – auch auf ihrem eigenen Territorium –, ist Russland“, betonte Grushetsky.
Auf diese Weise verzerren die russischen Medien erneut die Ergebnisse ukrainischer Meinungsumfragen und verbreiten das Narrativ vom „Frieden um jeden Preis“, um Menschenleben zu retten. Diese Darstellung zielt darauf ab, die ukrainische Gesellschaft zu spalten sowie in den westlichen Gesellschaften die Meinung zu schüren, dass eine Fortsetzung des Krieges zwischen der Russischen Föderation und der Ukraine sinnlos sei, und damit auch die Notwendigkeit einer Reduzierung der militärischen und finanziellen Unterstützung für Kiew zu unterstreichen.
StopFake deckt weiterhin solche Falschmeldungen auf, beispielsweise in den Beiträgen „Fake: Die Ukraine sprengt absichtlich zivile Objekte, um Russland Raketenangriffe vorzuwerfen – USA Today/Reporters Sans Frontières“, „Manipulation: „Die ukrainischen Streitkräfte sind in Panik, weil Russland die Produktion ballistischer Raketen hochfährt – Bloomberg““, „Manipulation: Der estnische Außenminister ‚räumte ein, dass Europa keinen Kompromiss zwischen Moskau und Kiew braucht‘“.



