Die Seite Ukraina.ru ist eine der bekanntesten Quellen für die Verbreitung von Fälschungen und von manipulativen Artikeln. Die Website hat einen Artikel veröffentlicht, dass die Ukraine die NATO darum bittet, die Sicherheit der eigenen Kernkraftwerke zu gewährleisten.

centrales nucléaires ukrainiennes


Screenshot der Website Ukraina.ru

Die Geschichte basiert auf einem tatsächlich bestehenden Statement der ukrainischen Regierung, das sich der Kooperation im Bereich Energiesicherheit widmet. Die Behauptung aus der Ukraina.ru-Überschrift lässt sich aber nirgendwo in dem Statement der Regierung wiederfinden.

Die stellvertretende Ministerpräsidentin der Ukraine, Ivanna Klympush-Tsyntsadze sagte kürzlich, dass die Ukraine anstrebt dem NATO-Exzellenzzentrum für Energiesicherheit beizutreten, welches kürzlich in Vilnius, Litauen gestartet wurde. Dies wurde am 23. Oktober bekannt, als der Pressedienst der Ukraine, eine Aussage von ihr veröffentlichte.

Sie gab die Ankündigung Folge eines NATO-Ukraine-Treffens zum Thema Ausbildung zum Schutz kritischer Elektrizitätsinfrastrukturen im Oktober bekannt.

Das NATO-Exzellenzzentrum für Energiesicherheit wurde eingerichtet, um potenzielle Bedrohungen für die Energieversorgung zu ermitteln und NATO-Verbündeten Vorschläge und Empfehlungen für den wirksamen Umgang mit ihnen zu unterbreiten, gegenseitige Hilfsinstrumente für extreme Situationen und militärische Ausbildungsprogramme zum Schutz kritischer Energieinfrastrukturen zu entwickeln.

Das Büro von Klympush-Tsintsadze gab eine Erklärung ab, die die Pläne der Ukraine skizziert, die Zusammenarbeit mit der NATO auf dem Gebiet der Energiesicherheit, insbesondere des Schutzes der kritischen elektrischen Infrastruktur, auszuweiten. Gegenseitige NATO-Ukraine-Trainingsübungen sind wichtig für die Ukraine, ihre kritische Energieinfrastruktur zu schützen und die nationale und internationale Sicherheit zu verbessern, heißt es in der Erklärung.

Der Text der Ukraina.ru-Nachricht ist praktisch eine wörtliche Übersetzung einer auf dem „Regierungsportal“ veröffentlichten ukrainischen Pressemitteilung. Die Pressemitteilung entspricht der Realität, was man über den Titel und den Untertitel des Artikels von Ukraina.ru leider nicht sagen kann. Ukraina.ru nannte sein Überschrift: „Die Ukraine bittet die NATO, Sicherheit von Kernkraftwerken zu gewährleisten“. Der Untertitel lautet: „Kiew kann die Sicherheit seiner Energieanlagen nicht unabhängig gewährleisten“. Aber wenn man sich an die ursprüngliche Quelle anschaut – die Pressemitteilung, wird klar, dass der Titel des Artikels und der Untertitel dazu offene Spekulationen sind und keine Grundlage haben.

Die Ukraine wendet sich an die NATO im Bereich der Ausbildung und nicht im Bereich des Schutzes der Atomkraftwerke, wie die Überschrift Ukraina.ru fälschlicherweise behauptet.

Das ukrainische Regierungsbüro für europäische und euro-atlantische Integration, Oleksiy Henchev, sagte gegenüber StopFake, dass die Ukraine mit dem Beitritt zum NATO-Zentrum für Energiesicherheit vor allem an den Erfahrungen anderer Länder beim Schutz ihrer elektrischen Netze und Infrastruktur interessiert sei. Die Ukraine habe einige Erfahrung bei der Bekämpfung von hybriden Bedrohungen gegen ihr Energiesystem und Regierungsstellen, sagte er.

„Wir bitten niemanden darum, unsere Energieinfrastruktur zu schützen. Wir wollen einfach von den Erfahrungen anderer Länder in diesem wichtigen Bereich profitieren. Das neue NATO-Sicherheitszentrum soll dies erleichtern. (…)Es gibt eine ganze Reihe von Problemen – Cyberbedrohungen und Informationsangriffe. Dies alles kann der effektiven Arbeit von Unternehmen oder den Energiesektor beeinflussen. Von der Hilfe unserer Sicherheit kann keine Rede sein. Dieses Zentrum wurde gegründet, um eine Forschungsgrundlage und Analyse zu entwickeln, einige Empfehlungen für die Länder des euro-atlantischen Raums auszuarbeiten. Und wir können diesen Beitrag zur Gesamtsicherheit leisten“, sagte Henchev.

Russland wurde im Dezember 2015 für einen Cyberangriff auf das Stromnetz der Ukraine verantwortlich gemacht, das die Stromversorgung von mehr als 230.000 Kunden für bis zu sechs Stunden unterbrach. Dieser fand am 23. Dezember 2015 statt und gilt als der erste bekannte erfolgreiche Cyberangriff auf ein Stromnetz. Hacker konnten die Informationssysteme von drei Energieversorgungsunternehmen in der Ukraine erfolgreich kompromittieren und die Stromversorgung für die Endverbraucher vorübergehend unterbrechen. Die Ermittler fanden heraus, dass die Angriffe von russischen Computer-Betreibern gestartet wurden. Ein ähnlicher, aber kleinerer Cyberangriff hat Kiews Stromversorgung im Dezember 2016 beeinträchtigt.

Seitdem die Ukraine den Import von Gas aus Russland gestoppt hat und begonnen hat LNG zu importieren, haben russische Webseiten aktiv damit begonnen Falschmeldungen zu verbreiten, wonach ukrainische Kernkraftwerke unsicher wären und eine Gefahr für ganz Europa darstellen würden.