Mit der Gründung einer autokephalen Kirche in der Ukraine hat Kiew erneut eine Verschlechterung der Beziehungen zu Moskau hervorgerufen, schreibt der Kreml-Propagandist Ukraina.ru. Dies sei die Botschaft, die der OSZE-Generalsekretär Thomas Greminger in seinem Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung vermittelt habe.

Ukraina.ru’s verzerrte Version von Gremingers Interview wurde von PolitNavigator, Pravslavie I Mir, Rusvesna, DonPress, Donetsk24 und NewsFront verwendet.

Screenshot PolitNavigator

Screenshot Pravslavie I Mir

Laut russischen Medien hält Greminger die Gründung einer unabhängigen ukrainischen orthodoxen Kirche einen „Brennpunkt“, die den Krieg in Donbas eskalieren könnte.

Während Greminger in dem Interview mit der Neuen Osnabrücker Zeitung die neue ukrainische Kirche erwähnte, tat er dies in einem ganz anderen Kontext. Der gesamte Kontext mit der Ausgangsfrage und der Antwort in Gesamtlänge:

„Neuen Osnabrücker Zeitung: In der Straße von Kerscht ist es jüngst zu einem gefährlichen Zwischenfall gekommen, als Russland ukrainische Schiffe aufgebracht hat. Kann so etwas nicht zum Krieg führen?

Greminger: Das war eine sehr brenzlige Situation. Wir haben über Monate immer wieder auf das sich aufladende Spannungspotenzial im Schwarzen Meer aufmerksam gemacht. Unser Job ist es zu beobachten, zu kommentieren und unter Umständen auch zu warnen. Aber keine der Seiten hat es für nötig befunden, darüber zu sprechen. Es passt in das größere Bild der ukrainisch-russischen Beziehungen mit einer ganzen Reihe von weiteren Brennpunkten: der Sprachen- und Unterrichtsgesetzgebung, den Unabhängigkeitsbestrebungen der ukrainisch-orthodoxen Kirche, der ungelösten Problematik der besetzten Krim, den illegalen Wahlen in den beiden Rebellenrepubliken und der Situation entlang der Kontaktlinien im Donbass. Immer wieder gibt es Provokationen auf beiden Seiten. Überall sehen wir: Entweder die Lage stagniert oder sie schaukelt sich langsam hoch.“

Wie festzustellen ist, spricht der OSZE-Generalsekretär nicht davon, dass die Gründung der neuen Ukrainischen Orthodoxen Kirche zu einer neuen Eskalation im Donbas beitragen wird, sondern spricht von der Frage der Kirchengründung in einem größeren Kontext von vielen einzelnen Konfliktgegenständen.

Screenshot Neue Osnabrücker Zeitung noz.de

Russland müsse den ersten Schritt zur Lösung des Konflikts tun, sagte Greminger, indem es die 24 inhaftierten ukrainischen Seeleute und ihre drei Schiffe freilässt. Ein solcher Schritt wäre eine Geste des guten Willens, sagte er.

Darüber hinaus wird Russland den selbsternannten separatistischen Republiken weiterhin militärische Unterstützung gewähren. Es sei davon auszugehen, dass die separatistischen Republiken, wenn sie unter militärischen Druck geraten, Unterstützung von Russland erhalten werden, betonte Greminger.

Screenshot Strana.ua

Auch andere russische und pro-russische Medien verzerrten aktiv die Kernpunkte von Gremingers Interview. Die pro-russische Internetzeitung Strana.ua zum Beispiel behauptete, dass Grüner sagte, die Ukraine habe keinen politischen Willen, den Konflikt in den Donbas zu lösen. Was Greminger tatsächlich sagte, war, dass die Kontaktgruppe, die sich alle zwei Wochen im Rahmen der Minsker Abkommen trifft, nicht viele Möglichkeiten hat, Fortschritte zu erzielen, weil es keinen politischen Willen gibt. Er hat die Ukraine dabei nicht erwähnt.