Da Mitte Juni das visafreie Reisen zwischen der EU und der Ukraine in Kraft tritt, arbeiten russische Medien in Überstunden und produzieren verschiedene Fälschungen. Allen Fälschungen ist gleich, dass sie das Ende der Visafreiheit voraussagen, bevor es eigentlich in Kraft tritt. Die letzte Fälschung dieser Art, ist eine Geschichte von RT. Diese behauptet, dass eine Stiftung des Philanthropen George Soros alle Ukrainer warne, dass die EU das visumfreie Reisen mit der Ukraine jederzeit stornieren könnte.

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Diese gefälschte Geschichte wurde von RIA Novosti, Ukraina.ru, Novostnoye Agentstvo Kharkova, und anderen russischen Medien nachgedruckt.

Die RT-Geschichte zitiert eine angebliche Studie der Open Society-Stiftung, die zum Thema Migration verfasst sein soll. Diese Studie soll dem Zitat nach, „von internationalen Organisationen, die Teil des George Soros „Open Society Institute sind“ erstellt worden sein. RT tut dies ohne Benennung der Quelle oder eine Verknüpfung mit dem Dokument vorzuweisen.

RT kann auch gar nicht auf eine Studie der Open-Society-Stiftung verweisen, da die tatsächliche Forschungsarbeit von der ukrainischen NGO „Europa ohne Barrieren“ erstellt wurde. Die Organisation hat selbst eine Erklärung veröffentlicht, dass die gefälschte Geschichte von RT als Fake bezeichnet und es als manipulative Darstellung ihrer eigenen Ergebnisse identifiziert. RT lügt also, wenn es behauptet, dass die Studie aus der Feder der Open-Society-Stiftung stammt.

RT behauptet zudem, dass die Zahl an illegalen ukrainischen Migranten seit 2014 deutlich zugenommen habe. Dies stehe zudem in Zusammenhang, mit der Zahl derer, denen Visa der EU verweigert wurden.

Aber zurück zu den Fakten. Die von der NGO „Europa ohne Barrieren“ zitierten Zahlen erzählen nämlich eine gänzlich andere Geschichte. Die NGO berichtet in Berufung auf die offiziellen Statistiken von Eurostat und der europäischen Kommission, dass 2016 mehr als eine Million Visa für Ukrainer ausgegeben wurden. Fast die Hälfte dieser Visa waren Arbeitsvisa. Nach Eurostat, hielten sich 2016 circa siebenundzwanzigtausend Ukrainer illegal in der EU auf, ein Bruchteil im Vergleich zu der tatsächlichen Anzahl der gesetzlich ausgestellten Visa

Nach der EU-Grenzschutzbehörde Frontex

wurde die Mehrheit derjenigen, die ihre Visa in Europa überzogen, bei der Rückkehr in die Ukraine festgenommen. Ein entscheidendes Detail, das RT in seiner Fake-Geschichte nicht erwähnt hat.

Eine weitere Tatsache, die RT regelmäßig ignoriert, ist die abnehmende Zahl an Ukrainern, die in der Europäischen Union Asyl beantragen. Im Jahr 2016 beantragen etwas mehr als zwölftausend Ukrainer Asyl in der EU, eine Abnahme von über vierzig Prozent im Vergleich zum Vorjahr 2015.I n einer Eile und Hast um Fälschungen zu produzieren, macht RT empörende Behauptungen, die leicht überprüft werden können.

In einer weiteren gefälschten RT-Geschichte behauptet der Sender, dass die Schweiz, Island, Norwegen und Liechtenstein Ukrainern ohne Visa nicht offen stehen werde. Diese Länder sind jedoch Teil der Schengen-Zone. Seit dem 11. Juni können Ukrainer diese Länder ohne Visa für eine Periode von neunzig Tagen besuchen.