Zahlreiche russische Medien berichteten, dass die letzten Gespräche über den Gefangenenaustausch zwischen der Ukraine und den sogenannten Volksrepubliken Donezk und Luhansk in Minsk angeblich abgebrochen wären, weil die ukrainische Abgeordnete, die über den Gefangenenaustausch und andere humanitäre Fragen verhandelt habe, aus den Gesprächen zürckgetreten sei. Moskovskyj Komsomolets, TASS, Gazeta.ru, Regnum, der Fernsehsender des russischen Verteiditungsministeriums Zvezda und andere haben alle diese gefälschte Geschichte verbreitet.

Russischen Medien zitieren Olha Kobtseva, die Vertreterin der sogenannten Volksrepublik Luhansk, die behauptet, dass die Ausschuss, der sich mit dem Austausch von Gefangenen beschäftigt, die Beratungen einstellen musste, weil die ukrainische Abgeordnete Iryna Herashchenko eine Stunde zu spät zum Treffen kam und anstatt die Dinge zu besprechen, sich mit antirussischer Rhetorik beschäftigte und dann plötzlich die Sitzung verlies.

Iryna Herashchenko‘s Version der Ereignisse ist etwas anders als die von Kobtseva. In einem Facebook-Beitrag erklärt Herashchenko, dass das Treffen in Minsk wie geplant stattfand, aber leider keine Ergebnisse brachte. Herashchenko schreibt, dass Russland nicht auf die Initiativen der Ukraine, die auf Gefangenenaustausch abzielen, reagieren würde und es kategorisch ablehne, dass Mitarbeiter des Roten Kreuzes ukrainische Gefangene besuchen, die von russischen Kämpfern festgehalten werden.

Screenshot Luganski Informatzini Centr
Screenshot Ukraina.ru

Der OSZE-Sonderbeauftragte in der Ukraine und in der Trilateralen Kontaktgruppe (TCG), Herr Botschafter Martin Sajdik, erwähnt in seiner Presseerklärung zu Minsk mit keinem Wort einen Ausstand. Er schreibt, dass die Arbeitsgruppe für humanitäre Fragen ihre Diskussion über den Austausch von Gefangenen fortgesetzt habe. Darüber hinaus habe die Gruppe auch die Verbesserung der Bedingungen für das Überqueren der Kontaktlinie, einschließlich der Möglichkeiten für Reparaturen des Zugangs zur Brücke in Stanytsia Luhanska, diskutiert.

Unterdessen zitiert RIA Novosti Martin Sajdik, dass das Treffen in Minsk wie geplant ohne Unterbrechungen oder Absagen verlief. Auf die Frage nach Presseberichten, dass die Gespräche gescheitert seien, antwortete Sajdik: „Ich kann das nicht kommentieren, weil Nichts passiert ist“.

Es ist nicht das erste Mal, dass russische Medien behaupten, dass die Ukraine die Donbas-Gespräche sabotiert. Anfang Mai dieses Jahres entlarvte StopFake russische Behauptungen, dass OSZE-Vertreter aufgrund ukrainischer Drohungen die Donbas-Gespräche verlassen hätten.

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Das Minsk-II-Abkommen zur Lösung des Konflikts im Donbas wurden im Februar 2015 in der weißrussischen Hauptstadt Minsk von Vertretern der Trilateralen Kontaktgruppe unterzeichnet; u.a. von der OSZE (Heidi Tagliavini), der Ukraine (Leonid Kutschma) und Russland (Michail Zurabow), sowie von Alexandr Zakharschenko und Ihor Plotnizkij von der sogenannten und selbsternannten Volksrepubliken Donezk und Luhansk, die als Privatpersonen das Dokument unterzeichnet haben, ohne ihre Positionen anzugeben.